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Kino:Dieser Spider-Man kämpft mit der Pubertät

Ein "freundlicher Nachbarschafts-Spider-Man" will dieser Peter Parker (Tom Holland) nicht sein.

(Foto: AP)

So jung wie in "Spider-Man: Homecoming" hat man Peter Parker noch nie gesehen. Gerade deshalb stellt der Film eine existenzielle Frage: Was macht eigentlich einen Superhelden aus?

Die meisten Männer reden da heutzutage nicht mehr so gern drüber, es ist ihnen irgendwie peinlich. Sie sind schließlich keine kleinen Jungs mehr und finden Feminismus gut. Aber es gibt dann doch diese schwachen Momente, da wollen sie mit einem Arm Schulbusse anheben können, an Lianen durch Häuserschluchten schwingen und kopfüber von einem Spinnenfaden hängend hinreißende Frauen küssen, sofern Frauen denn ihr Ding sind. "Spider-Man: Homecoming" hat ein sehr ungezwungenes Verhältnis zu solchen kraftmeierischen Fantasien.

Besonders intensiv treten diese Träume gewöhnlich in jenem Alter auf, in dem sich der Körper verändert, in dem man sich abwechselnd wie ein Superheld und wie eine Spinne fühlt, als welche man am liebsten Wände hochklettern würde, wenn die hinreißenden Frauen herübergucken. Peter Parker ist in der Pubertät, das macht ihn zu einem Superhelden mit High-School-Problemen.

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River Phoenix tritt uns ein letztes Mal entgegen - in "Dark Blood", der rekonstruierte Experimental-Film von 1993, an dem er kurz vor seinem Tod noch mitwirkte. "Spider-Man: Homecoming" ist weniger inspiriert und lenkt davon mit Gadgets ab.

Was zuvor in seinem Leben passiert ist - von radioaktiver Spinne gebissen, Onkel Ben gestorben, "Mit großer Macht kommt große Verantwortung" - setzt der Film als bekannt voraus. Keine schlechte Entscheidung, denn diese Herkunftsgeschichte wurde seit der Jahrtausendwende schon zweimal in großen Kinofilmen gezeigt. Die ältere Zielgruppe kennt sie, und die jüngere wird sich an der fehlenden Herleitung nicht stören, hat sie doch dank der Altersfreigabe ab zwölf Jahren hier wahrscheinlich den größten Spaß. Unterschwellig ist "Spider-Man: Homecoming" ein Familienfilm, wenn auch nicht, oder nicht nur, im herkömmlichen Sinn.

Wie kann ich ein "Avenger" werden?

Im Zentrum steht die berechtigte Frage, wie man ein Superheld wird - ein Spinnenbiss und die daraus resultierenden Superkräfte allein reichen dafür offenbar nicht aus. In dem fiktiven Universum, in dem wir uns hier bewegen, dem filmübergreifenden Marvel Cinematic Universe, heißt das ganz konkret: Wie kann ich ein "Avenger" werden? Das ist die eingespielte Marvel-Superheldentruppe um Heroen wie Iron Man, Captain America, Thor, Hulk und viele andere, verkörpert von Schauspielern, die ihrer Rollen langsam müde werden.

Chris Evans, der Captain America spielt, hat erst vor Kurzem erneut seinen Ausstieg angedeutet, und auch Robert Downey Jr. als Tony "Iron Man" Stark merkt man an, dass er nach sechs Auftritten für Marvel eigentlich keine Lust mehr hat. Hier tritt er, ziemlich trüb, als Mentor und Ersatzvater für Peter Parker auf - der halbstarke Spider-Man soll die "Avengers" verjüngen. Den wiederum spielt der 21-jährige Tom Holland, ein quietschfideles Bürschchen, das genau die Energie mitbringt, die seinem altgedienten Kollegen fehlt.