Oscarpreisträger "Die durch die Hölle gehen": Regisseur Michael Cimino ist tot

Michael Cimino im Oktober 2014 beim Filmfestival in Lyon.

(Foto: dpa)

Sein Vietnamkriegsfilm verschaffte Meryl Streep den Durchbruch und bescherte Cimino einen Oscar. Sein nächster Film, "Heaven's Gate", wurde hingegen zu einem der größten Flops der Kinogeschichte.

US-Regisseur Michael Cimino, der durch den Kriegsfilm "Die durch die Hölle gehen" (1978) bekannt wurde, ist tot. Wie sein langjähriger Anwalt mitteilte, wurde Ciminio leblos in seinem Haus in Beverly Hills aufgefunden. Zur Todesursache konnte Eric Weissmann keine Angaben machen. Cimino sei bei guter Gesundheit gewesen, sagte der Anwalt. Den Tod des 77 Jahre alten Regisseurs beschrieb er als "völlig unvorhersehbar". Zuvor hatte auch der künstlerische Leiter des Filmfestivals in Cannes, Thierry Frémaux, den Tod Ciminos in einem Tweet verkündet.

Ciminos Vietnam-Kriegsfilm "Die durch die Hölle gehen" ("The Deer Hunter") hatte 1979 fünf Oscars gewonnen, darunter als bester Film und für die Regie. Christopher Walken wurde als bester Nebendarsteller gefeiert, auch Robert De Niro und Meryl Streep, die hier erst zum zweiten Mal im Kino zu sehen war, waren nominiert. In dem dreistündigen Film erzählt Cimino anhand des Lebens dreier Freunde vom Vietnamkrieg. In einer der Kultszenen des Films spielen die von Robert de Niro und Christopher Walken dargestellten Figuren als Gefangene in Nord-Vietnam gegeneinander Russisches Roulette. Der Film erhielt auch vier weitere Oscars, darunter in der Kategorie "bester Film".

Nach diesem Erfolg drehte Cimino 1980 mit dem teuren Western "Heaven's Gate" einen der größten Flops in der Filmgeschichte. Der Spätwestern mit Kris Kristofferson, Christopher Walken, John Hurt, Jeff Bridges und Isabelle Huppert wurde zum Kinostart von den meisten Kritikern zerrissen und fiel an den Kinokassen durch. Cimino zog daraufhin den Film aus den Kinos zurück und legte ein halbes Jahr später eine um 70 Minuten gekürzte Fassung des einst fast vierstündigen Werkes vor.

Michael Cimino Michael Cimino im SZ-Interview: Fürst aus einer anderen Zeit
Regisseur

Michael Cimino im SZ-Interview: Fürst aus einer anderen Zeit

Am Tor des Himmels: Michael Cimino wurde sehr schnell zu einem Star-Regisseur - und beschwor dann ein Desaster herauf. Eine Begegnung mit dem Mann, der "Heaven's Gate" machte.   Interview von Fritz Göttler

Erst 20 Jahre später wurde "Heaven's Gate" rehabilitiert

Einige Monate später sendete der amerikanische Kabelsender "Z Channel" dennoch wieder die ursprüngliche Kinofassung - und verwendete erstmals den Begriff "Director's Cut". Für die Produktionsfirma war "Heaven's Gate" in jedem Fall verheerend: Das Filmstudio United Artists, das einst von Charlie Chaplin mitgegründet wurde, zerbrach an diesem Misserfolg und wurde von Metro-Goldwyn-Mayer gekauft. Auch das Western-Genre galt fortan für mehr als zehn Jahre in Hollywood als Kassengift.

Nach diesem kolossalen Misserfolg drehte Cimino nur noch eine Handvoll Filme, darunter "Im Jahr des Drachen" (1985), "Der Sizilianer" (1987) nach einem Roman von "Pate"-Autor Mario Puzo und "The Sunchaser" (1996). Sein Regiedebüt gab Cimino 1974 mit dem Clint-Eastwood-Film "Die Letzten beißen die Hunde" ("Thunderbolt and Lightfoot").

Nach dem Flop von "Heaven's Gate" dauerte es mehr als 20 Jahre, bis Ciminos größter Misserfolg von der Kritik rehabilitiert wurde: 2005 wurde auf der Berlinale eine restaurierte Fassung seines "Director's Cut" gezeigt. Michael Cimino selbst war nicht in Berlin zu Gast.