Kino Besser man wird unterschätzt

Der Justizthriller "Der Fall Collini" soll Elyas M'Bareks Image wandeln. Er redet bloß nicht gern darüber

Interview von Josef Grübl

Hat er es also wirklich getan: "Fuck!" Damit konnte doch niemand rechnen, am wenigsten die Leute um ihn herum: "Fuck you Casper!" Doch wieso diese unfeine Wortwahl und Schreibweise? Und warum überhaupt Casper? Hieß der nicht Goethe, beziehungsweise Göhte? Wer Elyas M'Barek dieser Tage trifft, kommt um diese Fragen nicht herum: Der Star aus der "Fack ju Göhte"-Trilogie hat einen neuen Film gemacht, der am Donnerstag in den Kinos anläuft und in dem all die genannten Kraftausdrücke vorkommen. Gleichzeitig will sich der 36-jährige Münchner von einer anderen Seite zeigen, eleganter, ernsthafter und engagierter. "Der Fall Collini" ist ein Justizthriller, er spielt den Junganwalt Casper Leinen, der einen Mörder namens Collini (Franco Nero) verteidigen soll und dabei auf einen der größten Justizskandale der Nachkriegsgeschichte stößt. Für M'Barek ist dieser Film der längst überfällige Schritt aus dem Komödienfach, in dem er zwar gut und vor allem sehr erfolgreich ist, das er aber nicht ausschließlich bedienen kann. Will er sich als Deutschlands größter Kinostar behaupten, muss er seinem Publikum auch andere Seiten zeigen - sonst wendet sich dieses irgendwann gelangweilt ab. Elyas M'Barek weiß das, alle Fragen zu seinem Imagewandel perlen beim Interviewtag im Bayerischen Hof aber an ihm ab. Er antwortet knapp und scheint seine Außenwirkung stets im Hinterkopf zu behalten.

SZ: In den Kinos lief in den letzten Monaten eine Vorschau von "Der Fall Collini", in der man nur Ihr Gesicht sieht. Reicht das schon, um die Leute in Ihren neuen Film zu bekommen?

Elyas M'Barek: Ach, das war doch nur ein Teaser, eine nette kleine Idee. Der richtige Trailer ist ganz anders, da sieht man auch meine Kollegen und erfährt etwas über die Geschichte.

Sie stimmen mir aber zu, dass der Film ganz auf Sie aufgebaut ist, oder?

Es geht eben um den von mir gespielten Caspar Leinen. Es ist seine Geschichte, die erzählt wird.

Wie gehen Sie mit dem Druck um, der auf Ihnen lastet?

Da bin ich ganz entspannt. Mir ist wichtig, dass ich hinter dem Film stehen kann. Er ist gut geworden, daher kann ich ihn auch guten Gewissens in die Welt lassen. Jetzt müssen ihn sich die Zuschauer nur noch angucken.

So entspannt wie Sie sind aber nicht alle. In den letzten Monaten lief es im Kino nicht gut, die Branche hofft jetzt dringend auf den neuen Elyas M'Barek-Film.

Im Justizthriller „Der Fall Collini“ zeigt sich Elyas M’Barek ungewohnt ernsthaft.

(Foto: Constantin Filmverleih)

Natürlich hoffe ich auch, dass es ein Zuschauererfolg wird. Vorher weiß man das nicht. Aber ich weiß, dass er alles mitbringt, um ein großer Erfolg zu werden.

Sie spielen einen jungen Pflichtverteidiger, der von seinen Kollegen vor Gericht belächelt wird. Sehen Sie einen Vorteil darin, unterschätzt zu werden?

Ja, klar. Es ist immer besser, unterschätzt als überschätzt zu werden. Anders als in der Romanvorlage von Ferdinand von Schirach hat meine Figur auch nicht alles in die Wiege gelegt bekommen. Er ist ein Underdog, dem die Leute nichts zutrauen.

Im Film geht es um den schmalen Grat zwischen Selbstjustiz und Gerechtigkeit. Das ist durchaus zwiespältig, wird doch ein Mann kaltblütig ermordet.

Klar, daran gibt es auch nichts zu rütteln. Der Film sagt nicht aus, dass Selbstjustiz gerechtfertigt ist, sondern er fragt den Zuschauer, wie er damit umgehen würde.

Also in etwa so wie in "Terror - Ihr Urteil", wo das Publikum am Ende abstimmen musste?

Genau. Es dreht sich um die Frage: Wie würde ich entscheiden?

"Terror" beruht auf Ferdinand von Schirachs Theaterstück und lief 2016 erfolgreich im Fernsehen. Im Kino waren die Verfilmungen seiner Bücher aber Flops. Haben Sie eine Ahnung, woran das gelegen haben könnte?

Das kann ich nicht beurteilen. Unser Film ist aber kein Arthouse-Film und beruht auch auf keiner seiner Kurzgeschichten. "Der Fall Collini" ist ein eigenständiger Roman, es ist daher auch ein eigenständiger Kinofilm geworden.

Die Boulevardpresse hat aufgeregt darüber berichtet, als Sie plötzlich in Berliner Gerichtssälen auftauchten. Das diente zur Rollenvorbereitung, oder?

Genau. Ich habe mir einen Mordprozess angeguckt, mich mit einem Strafverteidiger und mit Ferdinand von Schirach unterhalten. Am wichtigsten war mir aber, dass das Drehbuch funktioniert.

Der Regisseur des Films, Marco Kreuzpaintner, lobt Ihr "untrügliches Bauchgefühl". Kann man sich so etwas antrainieren?

Nein, das hat man einfach. Und Marco hat schon Recht, ich verlasse mich tatsächlich sehr darauf, mein Bauchgefühl hat mich nur selten getäuscht. Es fällt mir meist nicht schwer, die Dinge richtig für mich zu ordnen und einzuschätzen.

Bietet es sich bei so einem Talent nicht auch an, selbst Filme zu machen?

Ja, durchaus. Vielleicht finde ich es irgendwann selbst vorstellbar, zu produzieren oder Regie zu führen.

Gibt es da schon konkrete Pläne?

Nein, noch nichts Konkretes.

Was macht eigentlich Ihr Bruder Joseph? Der ist auch Produzent, oder?

Ja, genau.

Haben Sie schon einmal zusammen gearbeitet?

Nein, bisher noch nicht. Ich trenne das aber auch. Es hat sich nicht immer als günstig herausgestellt, wenn man beruflich mit Leuten zu tun hat, die einen auch privat begleiten.

Wie wichtig ist München als Standort für Sie?

Beruflich findet für mich in München nicht so viel statt, ich bin meistens in anderen Städten oder im Ausland unterwegs. Aber es ist immer wieder schön, nach Hause zu kommen. München ist meine Heimatstadt.

Aber sind Sie nicht stark an die Constantin Film gebunden, die in München sitzt und auch "Der Fall Collini" produziert hat?

Natürlich fühle ich mich der Constantin Film sehr verbunden. Wir haben einen Rahmenvertrag, um verschiedenste Filme zu machen. Mit dieser Firma durfte ich meine größten Erfolge feiern, ich habe den Leuten dort viel zu verdanken. Aber ich bin nicht exklusiv gebunden, in den letzten Jahren habe ich auch für andere Firmen gearbeitet.

Gibt es auch internationale Pläne?

Bisher nicht. Es würde mich freuen, wenn sich jemand für mich interessiert, bisher gehen aber alle Angebote an mir vorbei. Ich höre nichts von denen.

Das kann ich mir kaum vorstellen. In Hollywood schaut man genau hin, wenn jemand in lokalen Märkten Erfolg hat.

Ja, vielleicht. Aber irgendwie haben sie mich bisher verpasst.

Hier in Deutschland herrscht dafür Ausnahmezustand, wenn Sie auftauchen. Können Sie sich noch frei bewegen?

Das hat sich zum Glück ein bisschen gelegt. Mittlerweile haben sich die Leute an meinen Anblick gewöhnt, der Riesenhype ist auch schon wieder ein Weilchen her. Außerdem habe ich ein paar Mechanismen für mich entdeckt, wie ich mich weitestgehend unerkannt in der Öffentlichkeit bewegen kann. Ich bin jetzt gespannt, wie es in den nächsten Wochen ist, wenn der Film herauskommt. Erfahrungsgemäß wird man dann wieder öfter erkannt. Aber prinzipiell kann ich mein Privatleben schon gut schützen.

Wie machen Sie das?

Im Winter helfen Mütze und Schal ganz gut, eine Sonnenbrille tut es aber auch. Ansonsten setze ich aufs Fahrradfahren. Da kommt man am schnellsten von A nach B und wird nicht so schnell gebremst.