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Kino:Auf dem Weg zur Grazie

EIN BECKEN VOLLER MÄNNER; EIN BECKEN VOLLER MÄNNER

Bäuche über engen Badehosen und das Gefühl, überflüssig zu sein – am Anfang sieht es für diese Wasserballett-Truppe nicht sehr gut aus.

(Foto: Studiocanal)

Ratlosen mittelalten Verlierern verordnet das Kino gern Wasserballett: "Ein Becken voller Männer".

Das Kino kommt mit Verlierern gut zurecht, es hat jede Menge Sympathie für sie, aber mittelalte männliche Loser in Badeschlappen, geht das? Eine ganze Riege davon bietet der Film "Ein Becken voller Männer", lange wirre Haare, die unter den Badekappen vorquellen, die Bäuche über den engen Badehosen, manch einer hält, instinktiv, wie zum Schutz, die Hände vor eben diese Hose. Was diese Männer dann verwandeln, irgendwie gar erlösen wird, im Laufe dieses Films, ist das gemeinsame Vorhaben: Synchronschwimmen. Es ist schon der zweite Film innerhalb eines Jahres mit einem Männer-Wasserballett, nach "Swimming with Men" von Oliver Parker. Nicht unbedingt ein Männersport.

Was du brauchst in meinem Team, erklärt beim ersten Gespräch die Trainerin Delphine (Virginie Efira) dem Bewerber Bernard (Mathieu Amalric), sind Willensstärke, Grazie, Rhythmus und einen gesunden Lebensstil. Sie tut, wenn sie das sagt, einen kräftigen Zug an ihrer Zigarette: Schaffst du das? Zum Training gehört dann, dass sie den Männern Gedichte vorliest, von Verlaine oder Rilke. Sie selbst erlebt man später in einer Gruppe Anonymer Alkoholiker.

Bernard hat eine Depression, er hat seit zwei Jahren keine Arbeit mehr. Marcus und Laurent (Benoît Poelvoorde, Guillaume Canet) sind wenig erfolgreiche Fabrikchefs, Simon (Jean-Hugues Anglade) muss damit leben, dass er kein zweiter David Bowie sein wird.

Beim Schwimmen synchron zu werden, das bedeutet große Mühsal für die Männer

Gilles Lellouche ist als Schauspieler bekannt geworden im französischen Kino, er steht auf Teamarbeit, seinen ersten Spielfilm hat er mit einem Jugendfreund Tristan Aurouet gemeisnan inszeniert, "Narco", eine Geschichte, um wilde Träume und brutalen künstlerischen Ehrgeiz, inspiriert von Martin Scorseses übersehenem Meisterstück "King of Comedy". Die Hauptrolle spielte Guillaume Canet, der auch im "Becken voller Männer" wieder dabei ist. Bei diesem Film, erklärt Lellouche, habe ich mehr an Michael Cimino gedacht, die kleine Gemeinschaft im "Deer Hunter", ich wollte nahe an den Menschen sein.

Synchron werden, das bedeutet große Mühsal für die Männer, es dauert lange, bis sich erste Grazie einstellt, und manchmal schaut alles ganz absurd aus - Luft anhalten unter Wasser, ein Bein langsam strecken. Die zweite Trainerin, Amanda (Leïla Bekhti), sitzt im Rollstuhl, sie schaut daher besonders hart auf Disziplin. Sie treibt die Jungs über weite Strecken Waldlauf und steckt sie lange in die Sauna. Irgendwann trauen sie sich dann doch und melden sich, die Amateure aus der französischen Kleinstadt, bei der Weltmeisterschaft an. Die Farbeffekte, mit denen sie ihre Show dort präsentieren, sind toll, aber schöner ist das Licht in den Landschaften. Disziplin, die zur Abstraktion führt, das ist die Geschichte dieses Films, das Runde im Eckigen. Das Rechteck des Schwimmbeckens im Gegensatz zu den Formen des Wasserballetts, dem Kreisenden, Zirkulären, das auch die Form der Depression ist.

Le grand bain, F 2018 - Regie: Gilles Lellouche. Buch: G. Lellouche, Ahmed Hamidi, Julien Lambroschini. Kamera: Laurent Tangy. Musik: Jon Brion. Mit: Mathieu Amalric, Guillaume Canet, Benoît Poelvoorde, Jean-Hugues Anglade, Virginie Efira, Leïla Bekhti. Verleih: Studiocanal, 117 Minuten.