Kino Alien-Alarm

Agent M (Tessa Thompson) und Agent H (Chris Hemsworth).

(Foto: Sony)

Die Komödie "Men in Black: International" belebt die Agentenreihe neu - und diesmal dürfen auch Frauen auf die Jagd nach bösen Außerirdischen gehen.

Von Anke Sterneborg

Forsch setzt sich Agent M, eine junge Frau, gespielt von Tessa Thompson, auf den Fahrersitz des schwarzen Supergefährts, mit dem man in ein paar Minuten von New York nach London düsen kann. Der Kollege Agent H (Chris Hemsworth) lässt es geschehen, steigt ruhig auf der anderen Seite ein, schließlich weiß er, dass bei einer britischen Limousine das Lenkrad auf der anderen Seite montiert ist. Das Verhältnis der Geschlechter wird in "Men in Black: International" zwischen Agent H und Agent M immer wieder aufs Neue verhandelt und parodiert. Das Sexobjekt ist hier jedenfalls nicht die Frau im androgynen Anzug, sondern der stattlich gebaute Mann mit offenem Hemd und Killerlächeln.

Nachdem Jennifer Lawrence als Mystique in "Dark Phoenix" gerade die Umbenennung der "X-Men" in" X-Women" gefordert hat, erreicht das Gender-Thema mit der ersten "Frau in schwarz" das nächste Blockbuster-Franchise. Seit Agent M, die eigentlich Molly heißt, als kleines Mädchen durchs Fenster ihres Kinderzimmers beobachtet hat, wie zwei Agenten in schwarzen Anzügen und Sonnenbrillen die Erinnerung ihrer Eltern gelöscht haben, träumt sie von einer Karriere in dem Männerverein, der die Rechte der Menschen gegen mögliche Invasionen aus dem All verteidigt.

Der grantige Stoizismus von Tommy Lee Jones fehlt diesem Film schmerzlich

Akribisch hat sie Informationen gesammelt, sich ins MiB-Netzwerk gehackt und Zugang in die geheime New Yorker Kommandozentrale erschlichen, um sich dann erst mal von Emma Thompson als Agent O zurechtweisen zu lassen: Bewerbungen sind nicht vorgesehen, neue Angestellte werden rekrutiert.

In der Probezeit, die sie Molly dann doch gewährt, muss diese fleißiger und härter arbeiten, als jeder Mann, um sich zu bewähren. So wird sie dem vergnügungsfreudigen Londoner Agenten H zugeteilt, der als notorischer Einzelgänger zunächst recht unmutig reagiert, womit die bewährte Pärchen-Chemie einer Screwball-Komödie aktiviert wird. Nach der Absage von Will Smith und Tommy Lee Jones, den Ur-MiBs, funktionieren Chris Hemsworth und Tesssa Thompson in dieser Konstellation bestens - sie konnten vor der Kamera ja auch schon gemeinsam im "Avengers"-Universum proben.

Der ebenfalls abtrünnige Regisseur des Originals, Barry Sonnenfeld, wurde von F. Gary Gray beerbt, obwohl er sonst eher für harte Action wie "Fast & Furious 8" zuständig ist, und weniger fürs komische Fach. Doch genau darum ging es Sonnenfeld, als er 1997 die Comicserie in einen Kinoerfolg verwandelte: Klar, all die merkwürdigen Menschen sind in Wirklichkeit Aliens, die sich mit mehr oder weniger feindlichen Absichten auf der Erde eingenistet haben und wahlweise integriert oder abgeschoben werden müssen.

Nach den Coming-outs von Michael Jackson, Lady Gaga und Justin Bieber wird jetzt en passant auch der Bayern-Fußball-Star Jérôme Boateng als Außerirdischer enttarnt.

Der Aktionsradius wurde für diese Neuaflage titelgemäß erweitert, die nächste große Alienverschwörung droht von Paris ausgehend, und zieht ihre Kreise über Marrakesch und Neapel. Und da sie von einer Londoner Filiale aus bekämpft wird, drängen sich in diesem Mash-up aus Agententhriller und Sci-Fi-Action-Komödie James Bond-Vergleiche auf. Wie gehabt ist die Weltenrettung nur ein McGuffin, ein hübscher Vorwand für viele Zirkusnummern, für lakonische Dialoge, exotische Schauplätze, futuristische Gadgets und eine Parade bizarrer Kreaturen in allen Farben und Formen. Zu den Highlights gehört ein Mini-Alien, das sich symbiotisch wie ein Frettchen als lebender Bart ums Gesicht eines Mechanikers wickelt und der schlagfertig fidele Agenten-Sidekick Pawny, eine Art Calimero-Reptilienküken mit Eierschalenförmigem Helm. Zu den Widersachern gehören Alien-Auftragskiller-Zwillinge, die von den französischen Hiphop-Tänzern und Youtube-Stars Laurent und Larry Bourgois ("Les Twins") gespielt werden. Wirklich zwingend ist der Neustart nicht geraten, der Tonfall ist nicht ganz so souverän und selbstironisch, und Tommy Lee Jones' grantiger Stoizismus fehlt schmerzlich. Aber wenn man über den wenig spannenden und plausiblen Plot hinwegsieht, gibt es in diesem Popcorn-Movie eine Menge zu schauen und zu schmunzeln.

Men in Black: International, USA 2019 - Regie. F. Gary Gray. Buch: Matt Holloway, Art Marcum. Kamera: Stuart Dryburgh. Musik. Danny Elfman, Chris Bacon. Mit: Chris Hemsworth, Tessa Thompson, Liam Neeson, Rebecca Ferguson, Rafe Spall, Kumail Nanjiani, Emma Thompson. Verleih: Sony Pictures 114 Minuten.