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"King of Devil's Island" im Kino:Wie Monster gemacht werden

Disziplin ohne Mitgefühl: Einmal in der Kirche in den Klingelbeutel zu greifen, reichte zu Beginn des 20. Jahrhunderts für viele "schwer Erziehbare" in Norwegen schon aus, um auf der Strafinsel Bastøy zu landen. In dem Gefängnisausbruchsfilm: "King of Devil's Island" sprengen die gefangenen Jungen ihre Ketten in einer blutigen Meuterei.

Anke Sterneborg

Ein Ort ohne Vergangenheit und ohne Zukunft ist die einsame Insel Bastøy am Anfang des 20. Jahrhunderts, die Natur selbst wird hier zum Gefängnis. Ein norwegisches Alcatraz für als schwer erziehbar geltenden Jungs - die oft nicht mehr getan haben, als in der Kirche in den Klingelbeutel zu greifen.

Auf der Gefängnisinsel Bastøy gebärt die Disziplin Monster.

(Foto: 2010 4 1/2 Film)

Nicht mal ihre Namen dürfen sie hier behalten, gleich bei der Ankunft werden ihnen Nummern zugeteilt. C5 und C19 sind die Neuzugänge, ein hübscher zarter Junge, der in die Mühlen der Misshandlung gerät - unweigerlich muss man auch an die Skandale um sexuellen Missbrauch durch Priester denken -, und ein stämmiger Rabauke mit einem klaren Sinn für Gerechtigkeit und genug Zivilcourage, um sich gegen das ausbeuterische Strafsystem aufzulehnen.

Er fuhr auf einem Walfangboot, und seine Geschichte von der Jagd auf einen riesigen Wal wird zur poetischen Parabel für die Situation der Jungs.

Im Grunde sei das ein normaler kleiner Gefängnisausbruchsfilm, sagt Stellan Skarsgård, der den Film nicht nur durch seinen berühmten Namen auf der Besetzungsliste, sondern auch als Produzent ermöglicht hat: "Aber wir haben die Genrestruktur durch die Wahrhaftigkeit in den Augen dieser Jungs befeuert, die alle selbst aus schwierigen Verhältnissen stammen, aus Problemfamilien und Institutionen." Über eine Viertelmillion Zuschauer hatte der Film in Norwegen.

Disziplin ohne Mitgefühl wäre Grausamkeit", sagt der von Skarsgård gespielte Anstaltsleiter, und ist doch zu schwach und angreifbar, um dem Unrecht, das unter seinen Augen geschieht, ein Ende zu bereiten.

Disziplin galt als höchstes Gut in jener Zeit, und wie Michael Hanekes "Das weisse Band" demonstriert auch dieser Film schmerzlich, welche Monster diese Prinzipien gebären. Die ökonomisch karge und schnörkellos stringente Erzählweise entspricht dem Alltag der Jugendlichen auf der Insel. Irgendwann wird der Druck so unerträglich, dass die gefangenen Jungen ihre Ketten in einer blutigen Meuterei sprengen.

KONGEN AV BASTØY, Norwegen - Regie: Marius Holst. Buch: Dennis Magnusson. Kamera: John Andreas Andersen. Mit: Stellan Skarsgård, Benjamin Hestad, Kristoffer Joner, Trond Nissen, Magnus Langlete. Alamode, 115 Minuten.

© SZ vom 02.04.2012/pak
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