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Kinderliteratur:"Jetzt merke ich manchmal, wie ich mich zu sehr auf die Schere im Kopf einlasse"

Das Schreiben selbst fiel Ihnen nicht schwer?

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Mein erstes Buch, "Der tätowierte Hund", schrieb ich fast wie im Rausch. Es war einfach meine eigene Welt, und es lenkte ab vom Druck im Alltag, der auf mir lastete. Ich war damals Kunsterzieher in Stuttgart an einem Gymnasium, und im Kunstunterricht habe ich mit den Kindern auch Trickfilme gedreht. Gelernt habe ich das als Assistent, während meiner Studentenzeit, bei meinem Schwager, dem Kameramann Michael Ballhaus.

Sie sind ein sehr erfolgreicher internationaler Autor für das Kinder- und Jugendtheater. Auch in Ihren Büchern scheinen Sie auf die Dramaturgie Ihrer Geschichten zu achten.

Das kommt zum Teil vom Film. Wenn man dann in Theaterstück schreibt, kann man nur mit Dialogen arbeiten. Es gibt ja keinen Erzähler, der sagt: ... und dann fühlte er sich sehr traurig und ging in sein Zimmer. Ich muss das in Dialogen ausdrücken und das kann man lernen.

Auf was sind Sie stolz, wenn Sie zurückblicken?

Eigentlich immer noch auf den "Tätowierten Hund". Jetzt merke ich manchmal, wie ich mich zu sehr auf die Schere im Kopf einlasse. Auf die Frage, was kommt bei den Kindern an, was mögen sie, wie muss ich meine Sätze machen. Früher habe ich mehr schräge Formulierungen gewagt. Mein Schreiben hat sich verändert, ich orientiere mich mehr an den Bedürfnissen der kleineren Kinder. Der Erstlesekinder. Die Lektorin sagt, machen Sie doch aus diesem langen Satz zwei Sätze, dann liest sich das viel einfacher, und ich lasse mich darauf ein, weil ich denke, sie hat wohl recht. Weil die heutigen Kinder nicht mehr so lange Sätze mit komplexen Inhalten lesen. Darum hat es mir großen Spaß gemacht, ein Buch zu verfassen wie "Kartoffelkäferzeit". Da schreibe ich dann so, wie ich will, denke nicht an die Altersangabe, und werde dann auch von 13-, 14-Jährigen gelesen.

Als Sie sechzig wurden, haben Sie auf die Frage, was Sie sich wünschen, gesagt: Mehr Zeit zum Schreiben und für Lesungen im Goethe-Institut. Was hat sich jetzt, zwanzig Jahre später, davon erfüllt?

Ich hatte in den letzten zwanzig Jahren viele Auslandsreisen, Hongkong, China, Japan, Neuseeland. In Russland habe ich inzwischen eine große Fangemeinde. Dort wird Kinder- und Jugendliteratur sehr geschätzt, fast mehr als in Deutschland.

Was würden Sie sich heute wünschen?

Eher etwas Privates. Wenn man achtzig wird, dann wünscht man sich, dass es in der Familie harmonisch weitergeht, dass man noch einige Jahre vor sich hat. Das Schreiben fällt einem nicht schwerer, aber es geht langsamer. Und dann muss ich schauen, dass meine Stimme nicht bricht.

© SZ vom 13.12.2017/luch
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