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Kinderbuch:Pirat verzweifelt gesucht

Ein Kinderkrimi um eine WG schräger Vögel, in der Mia eine wunderbare und spannende Zeit erlebt.

Von Verena Hoenig

Mia ist nicht das erste Mädchen in der Kinderliteratur, das sich für eine ausgezeichnete Detektivin hält und sehnsüchtig nach einem Fall Ausschau hält. Doch die Drittklässlerin ist sicher die erste, die in einer betreuten Wohngemeinschaft fündig wird. Die Nachbarn nennen die WG-Mitglieder "schräge Vögel", die weniger netten sprechen von den "Verrückten".

Herr Rippel etwa trägt eine Schwimmbrille, und um seinen Hals hängt ein Suppenlöffel. Die Jeans von Herrn Knick rutschen ständig auf die Knie, weil er jeden neuen Gürtel, den Betreuer Holger kauft, sofort gegen eine Cola tauscht und sich über das "gute Geschäft" freut. Mia empfiehlt ihm Leggings. Sie mag die schrulligen Alten. Außerdem ist in dem Haus mit der Nummer 19 immer etwas los. Gerade vermisst Herr Schlottmeier seinen geliebten Kater. Pirat ist grau getigert und seine rechte Pfote weiß wie eine Socke. Endlich kann Mia ihre Fähigkeiten als Spürnase unter Beweis stellen. Sie sucht in fremden Taschen nach Katzenhaaren, wundert sich, warum Frau Blank von nebenan plötzlich Orchideen züchtet und verträgt sich wieder mit ihrer besten Freundin Jil. Die will zwar neuerdings Superstar werden und wackelt mit ihrem Hintern "wie eine Giraffe mit vollgemachter Windel", aber manchmal übernimmt sie zum Glück das Kommando. Etwa dann, wenn Mia angesichts ihrer eigenen Courage wie steifgefroren dasteht und keinen klaren Gedanken mehr fassen kann. Natürlich ist am Ende der Fall gelöst und Pirat lässt sich Rindfleisch mit Gemüse schmecken.

Die Autorin Nicole Mahne arbeitete viele Jahre als Pflegehelferin in betreuten Wohneinrichtungen. "Ich habe während dieser Tätigkeit viele Individualisten kennengelernt, die sich nicht verbiegen lassen. Diese Begegnungen haben mich, glaube ich, auch ein bisschen freier gemacht." Debüts von Autoren, die ihr Engagement im sozialen Bereich literarisch verarbeiten - zumal im Kinderbuch -, sind oft genug nur gut gemeint, aber nicht wirklich gut. Ganz anders diese Krimigeschichte. Die Autorin beweist Sinn für Situationskomik und schreibt umwerfend trockene Dialoge. Soziale Inklusion findet hier nur beiläufig statt, ist für die Heldin selbst eigentlich kein Thema. Das Freche, Naseweise und auch Liebenswürdige an Mia hat Kai Schüttler in seinen Illustrationen hervorragend zum Ausdruck gebracht. Wegen der kurzen Sätze und jeder Menge wörtlicher Rede eignet sich das Buch gut zum Selberlesen. (ab 8 Jahre)

Nicole Mahne: Mia und die aus der 19. Mit Illustrationen von Kai Schüttler. Südpol Verlag 2020. 163 Seiten, 14 Euro.

© SZ vom 04.06.2021
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