Kinderbuch "Ins ewige Eis":Nordpol, Südpol, und zurück

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Kinderbuch "Ins ewige Eis": Sachbuch Kinderbuch Arktis Expedition

Sachbuch Kinderbuch Arktis Expedition

(Foto: Gerstenberg)

Eine Expedition zum Nordpol und zum Südpol: Ein charmant illustriertes Buch erzählt von den Abenteuern des Marek Kamiński.

Von Stefan Fischer

Die Frage, ob er wegen seiner Schmerzen besser zu einem Zahnarzt gehen soll, stellt sich für Wojciech Moskal nicht. Moskal ist im Mai 1995 gerade mit seinem Kumpel Marek Kamiński unterwegs an den Nordpol, als er Zahnschmerzen bekommt. Aber da, wo er ist, bekäme er eher ein Dutzend Eisbären zu Gesicht als einen Arzt. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als sich den kaputten Zahn selbst zu ziehen, bevor er sich inmitten der weitgehend menschenleeren Arktis eine gefährliche Infektion einhandeln würde. Wojciech Moskal benutzt dazu ein Multifunktionswerkzeug, zu dem auch eine Zange gehört. Wer sich auf ein Polarabenteuer einlässt, darf nicht zimperlich sein.

Ob der schmerzende Zahn etwas mit der vielen Schokolade zu tun hatte, die Moskal und Kamiński während ihrer Expedition aßen? Schwer zu sagen, jedenfalls gehen die Autorin Agata Loth-Ignaciuk und ihr Mann, der Illustrator Bartłomiej Ignaciuk, nicht näher darauf ein in ihrem Buch "Ins ewige Eis". Was insofern erstaunlich ist, weil sie sich durchaus sehr für die Details von Polarexpeditionen interessieren. Das heißt: für die Details von zwei sehr speziellen Expeditionen. Martin Kamiński hat innerhalb eines Jahres - 1995 - sowohl den Nord- als auch den Südpol erreicht. In seiner Heimat Polen ist er damit berühmt geworden.

Ignaciuks Illustrationen in Eiskaltblau, Schwarz, Weiß und Orange unterlaufen die Heldenpose

Agata Loth-Ignaciuk und Bartłomiej Ignaciuk möchten wissen, wie so etwas überhaupt funktioniert: Zu zweit zum Nordpol und sogar allein zum Südpol zu laufen. Ohne Hunde oder gar einen Motorschlitten. Sondern zu Fuß, und dabei alles, was man unterwegs benötigt, hinter sich herziehend. Als Marek Kamiński für seine Expeditionen trainiert, tut er merkwürdige Dinge: Er schleift Autoreifen hinter sich her, wenn er laufen geht, und probiert in seinem Garten aus, ob er in Polarkleidung sein Zelt wird aufbauen können. Was seine Nachbarn über ihn denken, ist ihm egal.

Kinderbuch "Ins ewige Eis": Agata Loth-Ignaciuk, Bartłomiej Ignaciuk: Ins ewige Eis. Nordpol und Südpol in einem Jahr. Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2022. 96 Seiten, 18 Euro.

Agata Loth-Ignaciuk, Bartłomiej Ignaciuk: Ins ewige Eis. Nordpol und Südpol in einem Jahr. Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2022. 96 Seiten, 18 Euro.

(Foto: Gerstenberg)

Kamiński will gewappnet sein. Und doch müssen er und Moskal oft genug improvisieren: Sie mussten einen kaputten Schuh reparieren, sich überlegen, wie sie am besten Spalten im Eis überqueren oder eben sich selbst einen Zahn ziehen. Über andere Dinge wiederum muss man sich vorher klar werden, zum Beispiel, wie man sich im ewigen Eis orientiert. Dass man sich in der Arktis nicht auf festem Untergrund befindet und also die Eisdrift einkalkulieren muss in seine Etappenpläne.

Bartłomiej Ignaciuk hat diese lehrreichen Erklärungen mit eiskaltblau-schwarz-weiß-orangefarbenen Illustrationen vertieft. Sie unterlaufen gerne die Heldenpose, zeigen Kamiński und Moskal bei lächerlich aussehenden, aber lebensnotwendigen Turnübungen oder wie sie lustlos die immergleichen Gerichte in sich hineinstopfen. Auf einer der Illustrationen betrachtet ein Eisbär belustigt ein Schild, das vor seinesgleichen warnt. Was "Ins ewige Eis" jedoch stets sehr ernst nimmt, ist die Passion, mit der Marek Kamiński seine ehrgeizigen Ziele in die Tat umgesetzt hat.

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