"Keinohrhase und Zweiohrküken" im Kino Keinaugfilmer

In "Keinohrhase und Zweiohrküken" gibt Til Schweiger mal nicht den Hauptstadthengst, sondern leiht nur einer Figur seine Stimme. Der Animationsfilm ist ein Familienfilm geworden. Gerichtet ist er aber hauptsächlich an eine Familie: die von Schweiger.

Von Philipp Stadelmaier

Til Schweigers neuer Film "Keinohrhase und Zweiohrküken" hat drei unschätzbare Vorzüge. Erstens dauert er nur fünfundsiebzig Minuten statt der für seine Filme üblichen zwei Stunden. Zweitens ist er animiert. Und drittens spielt er mal nicht in Berlin, wie seine anderen Familienkomödien, sondern auf Feld und Wiesen.

So gibt Schweiger hier mal nicht den Hauptstadthengst, sondern leiht nur seine quengelige Stimme einem Hasen ohne Ohren. Dann muss man hier auch nicht den albernen Protz eines Setdesigns aushalten, das bei ihm vorzugsweise aus Berlins schicksten Loftwohnungen, edlen Restaurants und Oldtimern besteht. Und da es diesmal ein ausgewiesener Kinderfilm ist, muss man nicht mehr die Kaskade aus halb chauvinistischen, halb frauenzeitschriftstauglichen Geschlechterklischees über sich ergehen lassen, die den Charme seiner bisherigen Komödien ausmachen.

Aber Achtung: Wo Schweiger draufsteht, ist auch Schweiger drin, wenn auch nur animiert. So hat man auch hier das Schweiger-typische Popgedudel im Hintergrund - und die Selbstvermarktung.

Selbstmitleidsmasche als Verkaufsargument

Mit "Kokowääh" fing das an: Schweiger als Drehbuchautor, der glaubte, Unterhaltung gegen Anspruch zu verteidigen - gegen die Karikaturen, die Schweiger für Intellektuelle hält. Auch der ohrenlose Hase wird von den anderen ausgegrenzt wie, sagen wir, ein Filmemacher ohne Augen. Keiner mag so recht mit ihm spielen, nicht mal der Fuchs, gesprochen von Matthias Schweighöfer, will ihn jagen. Aber selbst ohne Ohren, sagt der trotzige Hase am Schluss, sei auch er ein richtiger Hase. Die Selbstmitleidsmasche bleibt Schweigers größtes Verkaufsargument.

Dabei hilft, dass er nur noch en famille arbeitet. Hier ist es seine aus "Kokowääh" bekannte Tochter Emma, die ein Küken mit zwei Ohren spricht - so findet der einsame Hase doch noch einen Freund.

Nachdem "Keinohrhasen" und "Zweiohrküken" im Kindergarten spielten, nachdem in "Kokowääh" Schweigers Figur sein Vaterherz für seine Tochter entdeckte und er im "Schutzengel" seiner Tochter Luna den Krieg in Afghanistan erklärte, ist er hier auch ästhetisch im Familiengenre gelandet. Die Bilder wirken dabei wie ein abgefilmtes Kinderbilderbuch, leblos, uninspiriert. Hätten die deutschen Filmförderungen ihm noch mehr Geld gegeben, hätte er dann hollywoodeske Verhältnisse geschaffen? Kaum. Denn Hollywoods Animationskino richtet sich nicht nur an Familien. Schweigers Film aber richtet sich sogar nur an die eigene.

Keinohrhasen und Zweiohrküken, D 2013 - Regie: Til Schweiger. Mit den Stimmen von Til Schweiger, Matthias Schweighöfer. Warner, 75 Minuten.