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Katholiken im Nationalsozialismus:Unvereinbar mit "deutscher Männlichkeit"

In ihrer Erklärung vom 28. März 1933 hielten die deutschen Bischöfe gleichwohl ausdrücklich an ihrer "Verurteilung bestimmter religiös-sittlicher Irrtümer" des Nationalsozialismus fest. Bald kam es wegen der Religions- und Moralvorstellungen der "Neuheiden" um Alfred Rosenberg und wegen der Zwangssterilisationen zu Konflikten. Doch Hitler hielt sich zurück. Das ließ nicht wenige Katholiken dem Irrglauben verfallen, sie könnten ausgerechnet ihn als Verbündeten gegen die "Neuheiden" gewinnen. Später sahen sich Konservative, die auf eine neue Konjunktur traditioneller Sittlichkeit hofften, bitter getäuscht - doch da war die nationalsozialistische Herrschaft bereits gefestigt.

Die Bedeutung des Männlichkeitskultes für den Nationalsozialismus ist unbestritten. Die von den Nationalsozialisten propagierte Männlichkeit gab ein ganzes Bündel an Mustern des Fühlens und Handelns vor: Aufrichtigkeit, Kameradschaft und Ehre, aber auch körperliche Ertüchtigung, Einordnung in die Gemeinschaft, bedingungslose Treue sowie Härte gegen sich selbst und andere. Für den Krieg waren Heldenmythen, die Sinn stifteten und Trost spendeten, unverzichtbar. Sie betrafen den Kern von Hitlers Programm.

Selbst das Christusbild blieb nicht unberührt

Dem politischen Gegner die Männlichkeit abzusprechen, war schon im 19. Jahrhundert eine beliebte Strategie in politischen Auseinandersetzungen. Die katholische Kirche galt ihren Gegnern als feminisiert, als unvereinbar mit "deutscher Männlichkeit". 1933 hielten sich die Nationalsozialisten jedoch gegenüber Katholiken - anders als gegenüber Juden - mit Gender-Klischees zurück. Den Vorwurf der Homosexualität nutzten sie erst im Sommer 1934 gezielt gegen die SA-Führung und 1936/37 gegen katholische Priester und Ordensangehörige. Katholische Publizisten erhoben ihn dagegen schon deutlich früher gegen Ernst Röhm.

Ungeachtet dessen waren die Nationalsozialisten in Sachen Männlichkeit in der Offensive. Am 25. März prahlte etwa Baldur von Schirach im Völkischen Beobachter: "Die Hitlerjugend hat einen neuen Typ geschaffen, den Jungen, der mit 12 Jahren für seine Idee sterben kann wie ein sturmerprobter Soldat der Front, den heroischen Typ." Dieser Kult der Härte diskreditierte das intensive (Mit-)Fühlen; christliche Werte wie andächtige Demut, duldsames Leiden und Nächstenliebe galten als "sentimental". Die Katholiken reagierten darauf ganz unterschiedlich. Gerade das mutige Eintreten für diese Werte, allem Spott zum Trotz, wurde als "Mannesmut zur Mannesfrömmigkeit" deklariert. Viele Katholiken betrieben außerdem eine semantische Mimikry, indem sie dem Altbewährten einfach das neue Etikett "heroisch" aufklebten. So wurden Familienväter und sanftmütige Heilige ebenso zu Helden erklärt wie Beethoven und Wagner.

Schwerer wog es, wenn Heilige verhärtet dargestellt wurden, oft als Vorbild für Kinder. Selbst das Christusbild blieb nicht unberührt, etwa wenn der Benediktinerpater Hugo Lang 1934 im größten Kirchenblatt des Bistums Münster verächtlich auf Zeiten zurückblickte, in denen man "aus dem Herrn einen gutherzigen, harmlosen, liebenswürdigen, naturseligen Schwärmer" gemacht habe.

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