Vergangenheitsbewältigung in Bayreuth – die allerjüngste Vergangenheit betreffend: Die Absage eines Gedenkkonzerts unter dem Titel „Verstummte Stimmen“ mit Michel Friedman hatte im Juni zu heftigen Verwerfungen geführt. Zum Auftakt des 150. Geburtstags der Festspiele hatte die Komponisten-Urenkelin Katharina Wagner, 48, den Publizisten eingeladen, um über Wagners Antisemitismus und die Verstrickungen seiner Erben mit dem Nazi-Regime zu sprechen sowie an ermordete jüdische Musiker zu erinnern. Wegen angeblicher „Sicherheitsbedenken“ wurde die Veranstaltung dann gestrichen – Friedman sprach in der Folge von einem Offenbarungseid: Veranstaltungen aus Sicherheitsgründen zu streichen, das sei „in einer Demokratie der Tod durch Selbstmord“, sagte er im Interview mit der SZ.
Bayreuther Festspiele„Dass Hitler Wagner liebte, das bestreitet hier niemand“
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Wie konnte der fatale Eindruck entstehen, die Bayreuther Festspiele wollten sich mit dem Publizisten Michel Friedman ihrer antisemitischen Geschichte stellen – und dann doch wieder nicht? Die Intendantin und Komponisten-Urenkelin Katharina Wagner erklärt sich.
Interview von Moritz Baumstieger und Kathleen Hildebrand
