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"Katakomben" im Kino:Wo die Gebeine ruhen

Katakomben

Perdita Weeks als Archäologin Scarlett in "Katakomben"

(Foto: AP)

Unter Paris ist eine Archäologin samt Gefolge auf der Suche nach dem Stein der Weisen. Der Horrorfilm "Katakomben" spielt in den historischen Steinbrüchen unter der Stadt, schert sich aber leider wenig um die Logik seiner Story.

Von Susan Vahabzadeh

Das ist zunächst einmal für einen Horrorfilm ein gut gewählter Ort: Paris ganz unten, die Katakomben. Ein 300 Kilometer langes Netz aus Stollen, alten Steinbrüchen, Grabkammern, in denen vor zweihundert Jahren aus Platzmangel die Gebeine von sechs Millionen Menschen verstaut wurden. Eigentlich grenzt es an ein Wunder, dass erst jetzt jemand darauf gekommen ist, in diesen finsteren Gängen, von denen die meisten gesperrt sind und somit besonders geheimnisvoll, einen Gruselfilm zu drehen.

Die Idee hatte nun also der amerikanische Regisseur John Erick Dowdle. In "Katakomben" schickt er die Archäologin Scarlett (Perdita Weeks) unter die Erde, mit einem Kameramann, einem befreundeten Wissenschaftler und drei französischen Grufties im Schlepptau, die sich auch im gesperrten Teil der Katakomben ein wenig auskennen. Scarlett ist auf der Suche nach dem Stein der Weisen, den sie in einem Geheimgang wähnt - seit Hunderten von Jahren sollen da irgendwo unterhalb von Saint-Germain die Lösungen schlummern zu sämtlichen Rätseln der Alchemie. Scarlett will kein Gold machen, sie sucht den Stein, der alle Wunden heilt. Aber das Ganze wäre natürlich kein Horrorfilm, wenn alles glatt ginge.

Ziemlich schnell sind die sechs in einen Gang geraten, von dem die französischen Kellerkinder behaupten, es kehre keiner je daraus zurück. Wäre auch schwer: Denn hinter ihnen verändern sich die Gänge permanent so, dass sie immer tiefer ins Erdinnere hinab müssen und bald die Pforte durchschritten haben, über der geschrieben steht, spätestens hier solle man alle Hoffnung fahren lassen.

Grundsätzlich ein hübscher Einfall - bei der Ausführung hapert es dann aber doch gewaltig. Lassen wir mal Scarlett beiseite, die ungefähr 25 ist und ein halbes Dutzend Doktortitel hat, aber keinerlei Skrupel. Sie benimmt sich wie die Schulmädchenversion einer femme fatale. Wirklich schade ist es um die Binnenlogik.

Auch wenn man rein rationale Einwände nicht gelten lässt - unterirdische Gänge verändern sich höchstens durch Einsturz, und im Erdinneren gibt es keine bösen Mächte - könnte eine solche Story in sich stimmig erzählt sein. In "Katakomben" ist sie das aber nicht. Schon die Kamera-Arbeit stimmt nicht. Hier behauptet der Film, sich à la "Blair Witch Project" an das sogenannte Found-Footage-Prinzip zu halten - alles, was man auf der Leinwand sieht, müssen die Protagonisten mit ihren eigenen Kameras gefilmt haben, die vor allem an ihren Helmen montiert sind. Das wäre der Deal. Aber Scarlett sieht man auch dann noch, wenn tatsächlich niemand mehr dort unten ist, der sie filmen könnte: Wer hat diese Bilder dann bitte gemacht, der Leibhaftige?

Könnte natürlich sein. Denn was Scarlett und ihre Mitstreiter da unten finden, ist natürlich die Hölle. Und es stellt sich heraus, dass sie nicht irgendwo unterhalb der Métro brodelt - sondern in jedem Einzelnen. Nun wird es für manche von ihnen brenzlig. Oben wie unten heißt der Film im Original. Da wir aber gerade in der Stadt des Existenzialismus sind, könnte man auch sagen: Die Hölle, das sind die drei anderen.

As Above/So Below, USA 2014 - Regie: John Erick Dowdle. Drehbuch: John Erick Dowdle, Drew Dowdle. Kamera: Leo Hinstin. Mit: Perdita Weeks, Ben Feldman, Edwin Hodge. Universal, 93 Minuten.

© SZ vom 16.09.2014/mkoh
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