Es gibt sehr wahrscheinlich nicht viele Menschen, die Russlands Entfremdung von Europa anhand zweier Parfums nachzeichnen können. Wahrscheinlich kann das nur Karl Schlögel. In seinem Buch „Das sowjetische Jahrhundert“, einem fast 1000-seitigen, unglaublich dichten und hoch unterhaltsamen Konvolut, beschreibt er die Entstehungsgeschichte des berühmtesten russischen Parfums „Rotes Moskau“ und von „Chanel Nº5“, schlägt einen Bogen vom Hof Katharina der Großen zur frühsowjetischen Seifenproduktion bis zur Affäre Coco Chanels mit einem russischen Großfürsten, und bilanziert: Beide Düfte entspringen demselben vorrevolutionären Duftcode, weiterentwickelt von französischen Parfümeuren, die zumindest vorübergehend in Russland lebten. Und beide Düfte, so Schlögel, stehen für „die Teilung der Welt im 20. Jahrhundert“.
Friedenspreis für Karl SchlögelDer Ostverführer
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Niemand hat leidenschaftlicher für Osteuropa geworben als er. Wenige haben mit Russland härter abgerechnet. Nun bekommt der Historiker Karl Schlögel den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.
Von Sonja Zekri
