Karl May zum 100. Todestag"Ich bin wirklich Old Shatterhand"

Für die einen war er ein Fantast, ein Krimineller und Wahnsinniger. Für die anderen der sprachgewaltige Autor, dessen Abenteuerromane ganze Generationen von Jugendlichen prägten. Eines ist aber 100 Jahre nach seinem Tod unbestritten: Karl May ist noch immer ungewöhnlich präsent.

Martina Pock

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Für die einen war er ein Fantast, ein Wahnsinniger und Hochstapler. Für die anderen der sprachgewaltige Autor, dessen Abenteuerromane ganze Generationen von Jugendlichen begeisterten und prägten. Eines ist aber 100 Jahre nach seinem Tod unbestritten: Karl May ist noch immer ungewöhnlich präsent. Vom Taschendieb und Landstreicher zum Bestsellerautor - so lässt sich die ungewöhnliche Karriere Karl Mays in aller Kürze zusammenfassen. Seinen Durchbruch erlebte der Sachse erst im Alter von fünfzig Jahren mit dem Erfolg der 1892 begonnenen Reihe Carl May's Gesammelte Reiseromane, die ihm nach 18 Jahren Schriftstellerei erstmals finanzielle Sicherheit und sogleich Ruhm einbrachten. Allerdings geriet er mit seinen erdachten Reisen in einen Konflikt mit der Realität: Der Autor Karl May konnte bald nicht mehr zwischen Wirklichkeit und Fiktion unterscheiden und verstieg sich zunehmend in die "Old-Shatterhand-Legende". Er beharrte nicht nur darauf, dass er das, was er schrieb, als "Old Shatterhand" selbst erlebt habe, sondern ließ sich sogar die "Silberbüchse" - das legendäre Gewehre seines Helden Winnetou - anfertigen. Die Leser, die dem Autor seine Heldengeschichten bereitwillig abnahmen, überhäuften May mit Leserbriefen. Seinen Kritikern hielt May entgegen: "Ich bin wirklich Old Shatterhand". In Wirklichkeit ...

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... wurde May am 25. Februar 1842 als Carl Friedrich May in Ernstthal als fünftes von 14 Kindern geboren. Seine Eltern waren arme Weber, viele seiner Geschwister starben schon in den ersten Lebensmonaten. Als einzig verbliebener Sohn sollte er nach dem Wunsch seines Vaters den Aufstieg schaffen. Karl sollte Lehrer werden.

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Doch Karl May wurde immer wieder kleinkrimineller Handlungen überführt. Mal war es "die Unterschlagung von sechs Kerzen", mal der Diebstahl einer Taschenuhr und schließlich ein Techtelmechtels mit der Frau seines Wirtes, weshalb er 1861 schließlich seine Arbeit als Lehrer verlor. Kurz darauf musste er auch noch seinen Zweitjob als Fabriklehrer in Chemnitz aufgeben. Ein Jahr später landete May wegen Diebstahls zum ersten Mal im Gefängnis. Es folgten Jahre als Dieb und Betrüger im Untergrund - schließlich landete er erneut im Zuchthaus. 1874, im Alter von 32 Jahren, hatte May all seine Strafen abgesessen und begann als Redakteur bei Unterhaltungszeitschriften und schließlich als freier Schriftsteller zu arbeiten.

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Der Karriere-Durchbruch gelang May erst viel später, nämlich 1892 mit seiner eigenen Buchserie "Carl May's gesammelte Reiseromane", in der schließlich auch der dreibändige "Winnetou" erschien. Im Bild: Uschi Glas als Halbblut Apanatschi und Pierre Brice in seiner wohl berühmtesten Rolle des Apachenhäuptlings Winnetou.

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Bald hatte sich Karl May zum Helden seiner eigenen Erzählungen gemacht. Er schlüpfte nicht nur in die Rolle des "Old Shatterhand", sondern auch in die seines Romanhelden "Kara Ben Nemsi". Der türkische Name bedeutet so viel wie "Sohn der Deutschen". Sein Hang zur Maskerade und die Tatsache, dass er die Orte, die er in seinen Romanen beschreibt, damals noch nie gesehen hatte, brachten ihm über seinen Tod hinaus viel Kritik ein. Der Schriftsteller Arnold Zweig monierte etwa, "dass alle seine Darstellungen falsch seien".

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Nachweislich reiste May 1899 im Alter von 57 Jahren zum ersten Mal in den Orient und 1908 nach Amerika. Im Bild: May vor den Pyramiden von Gizeh im April 1900.

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Nach Angaben seiner Frau Klara soll May auf seiner Reise (hier 1900 in Sarona im heutigen Israel) zwei Mal einen Nervenzusammenbruch erlitten haben. Grund dafür soll das Einbrechen seiner von ihm zuvor in seinen Romanen konstruierten Realität gewesen sein.

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Erst durch den erfolgreichen Verkauf seiner Bücher konnte sich May seine späten Auslandsreisen leisten. Der Erfolg seiner Romane machte ihn zu einem wohlhabenden Bürger. Im Bild: Karl May in seinem Arbeitszimmer

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Bereits 1885 hatte Karl May die "Villa Shatterhand" erstanden, die heute ein Museum beherrbergt. In seinem Testament hatte der Schriftsteller festgelegt, dass sein gesamter Besitz, inklusive der Villa, seiner zweiten Ehefrau Karla überschrieben werden soll.

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Klara May war eine späte Liebe des Schriftstellers. Er hatte sie erst neun Jahre vor seinem Tod im Jahr 1903 geheiratet. Seine erste Ehe mit Emma May war auf seinen Wunsch hin im selben Jahr geschieden worden.

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dpa

Die Werke des umstrittenen deutschen Autors (im Bild eine Aufnahme aus dem Jahr 1900) erfreuen sich nach wie vor großer Popularität. Bis zu 100.000 Büchern werden nach Angaben des Karl-May-Verlags immer noch jährlich verkauft.

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