Kahn darf casten Gorilla wird Panda

Kahns Casting-Show durchläuft die chinesische Zensur. Ergebnis: Oliver Kahn kommt mit blauem Auge davon und darf seine Weisheiten an zukünftige Torwarte weitergeben.

Von Henrik Bork

Leicht zensiert darf Oliver Kahn nun doch ins chinesische Fernsehen. Am heutigen Donnerstag soll die TV-Show Kahn - Das Treffen am Drachentor endlich anlaufen. Vor knapp zwei Wochen hatten Pekings Zensoren plötzlich Sorgen bekommen und die erste Folge wenige Stunden vor dem angekündigten Sendetermin abgesetzt. Nun, nach dem Herausschneiden einer Reihe von Szenen, soll es endlich losgehen.

In einer Reihe mit Dieter Bohlen und Heidi Klum: Oliver Kahn sucht Talente - und zwar in China.

(Foto: Foto: ddp)

"Vom 2. Juli an wird das Publikum jeden Donnerstag um 22.50 Uhr das wundervolle Fußballfest genießen können", heißt es in einer verschnörkelten Mitteilung des Satellitensenders Heilongjiang TV an die Produzenten.

Die zunächst auf zehn Folgen beschränkte Sendung war ursprünglich als Castingshow für Nachwuchs-Torhüter geplant. Kahn doziert darin, warum er "niemals aufgibt". Dann wird vor laufenden Kameras unter zehn Kandidaten ein Sieger ermittelt, der zur Belohnung in Deutschland von Kahn persönlich eine Lektion erhalten soll.

Das klingt harmlos genug, sollte man denken. Doch das Wort Castingshow ließ bei den Zensoren der Pekinger Film- und Fernsehbehörde die Alarmglocken läuten. Vor einigen Jahren hatte die Sendung Supergirl in China einen solch bombastischen Erfolg, dass die Kommunistische Partei Chinas eifersüchtig wurde. 280 Millionen Zuschauer schickten von ihren Handys aus Textnachrichten, mit denen sie Chinas Supergirl aus einer Riege von kichernden Backfischen ermittelten.

Spontane Demokratie unerwünscht

Das war den Kommunisten dann doch zu viel spontane Basisdemokratie, die nicht mehr unkontrolliert Schule machen sollte. Seither müssen alle Castingshows der Zensur zur Genehmigung vorgelegt werden, was Heilongjiang TV mit der Kahn-Show aber offenbar absichtlich verschlampt hatte.

Als die englischsprachige Zeitung China Daily dann am 18. Juni über das geplante Anlaufen des Kahn-Castings berichtete, posaunte sie auch noch: "Rückt zur Seite, Supergirls!" - möglicherweise sehr übertriebene Vorschusslorbeeren für die Drachentor-Show. Doch in Peking war Kahn damit selbst in hohen Parteikreisen plötzlich zum Politikum geworden.

Die schon fertig gedrehten Folgen wanderten zurück ins Produktionsstudio in Shanghai. Alles, was die jungen Fußballstars zu sehr in den Mittelpunkt rückte, musste herausgeschnitten werden. Und wo vorher die Kamera nach jedem Schuss einen Kommentar der jungen Chinesen einholte, doziert nun der Lehrer aus Deutschland über seine "Kahn-Prinzipien".

Date mit bloden Mädchen

Der Zensur zum Opfer fiel auch ein Abendessen, das die Produzenten zwei chinesischen Finalisten des Wettbewerbs spendiert hatten. Als Belohnung für ihre Haltekünste im Tor durften sie mit zwei strohblonden Mädchen in einem schicken Restaurant an Shanghais Flaniermeile "Bund" ausgehen. Der Traum jedes chinesischen Pubertierenden!

Einer der beiden Teenager war so aufgeregt, dass er mit zwei linken Schuhen erschien. Es soll "süß" gewesen sein, wie er mit hochrotem Kopf und leicht stotternd sein Englisch ausprobiert habe, berichtet ein Eingeweihter. Das war den humorlosen chinesischen Zensoren offenbar schon zu viel.

Kahn will seine Botschaft ("Ich gebe nie auf!") trotz der Anlaufschwierigkeiten am liebsten in ganz Asien und dann weltweit verbreiten. Derzeit verhandeln seine Agenten in Indonesien, Südkorea, Japan und Dubai über ähnliche Fernsehshows.