Kabarett Runderneuert

Die Neue im Ensemble der Lach- und Schießgesellschaft: Schauspielerin Claudia Jacobacci.

(Foto: Andreas Reiter)

Das neue Ensemble der Lach und Schieß

Von Oliver Hochkeppel

Es fand keine zeitgemäße Form der Gesellschaftskritik mehr und konnte auch dem ökonomischen Druck nicht mehr standhalten, also ist es bald nach der Jahrtausendwende gestorben, das politische Ensemble-Kabarett der alten Schule - wenn man mal von aus der Zeit gefallenen Relikten im Osten absieht. Auch die jahrzehntelange Tradition des Ensembles der Lach- und Schießgesellschaft endete. Bis man die Sache vor drei Jahren neu erfand: Mit Theaterkabarett, das Strukturen statt Tagespolitik aufgriff, Demokratie vorlebte und Musik nicht nur als Beiwerk nutzte, glänzte das neue Quartett mit den "Avantgarde-Kabarettisten" Sebastian Rüger und Frank Smilgies, dem bis dahin vorwiegend als Musiker wirkenden Norbert Bürger und der bis dato nur als Schauspielerin arbeitenden Caroline Ebner. Zwei herausragende Programme lang. Dann begannen die Probleme, für die Ensembles schon immer anfällig waren. Wenn man so viel miteinander arbeitet, spielt und reist, ergeben sich Beziehungskrisen. "Es ist wie in einer Band", sagt auch Bürger, "da ist es auch nicht ungewöhnlich, wenn einer mal etwas anderes oder woanders spielen will." Hier lebten sich Ebner und die Jungs auseinander. "Ich fand es dann besser, es zu beenden, solange man sich noch schätzt", sagt Till Hofmann, als Chef der Lach- und Schießgesellschaft sozusagen ihr Arbeitgeber. Alle werden aber weitermachen. "Caroline Ebner ist eine totale Bereicherung für die Szene", sagt Hofmann. "Wir wollen unbedingt, dass sie weiterspielt und haben luftig vereinbart, dass sie eine Duo-Produktion bei uns machen wird." Und schon von Mittwoch an greift das Ensemble wieder an.

Kurz war an eine Fortsetzung nur im Trio gedacht, doch schnell fand sich eine neue Konstellation: Claudia Jacobacci übernimmt den weiblichen Part. Die Frankfurterin, die seit langem in München lebt, ist - wie seinerzeit Ebner - eine Quereinsteigerin, die zuvor noch nie Kabarett gespielt hat. Allerdings viel Theater, bis vor drei Jahren vor allem in Frankfurt, unter anderem mit dem Kabarett-affinen Michael Quast. Auch aus dem Fernsehen kennt man sie, und zuletzt arbeitete sie als Sprecherin und Synchronsprecherin. Als Gitarristin und frisch am Klavier Geschulte bringt sich auch das nötige musikalische Rüstzeug mit. Jetzt geht es mit ihr ins "runderneuerte Erfolgsprogramm Exitenzen reloaded", wie es in der Ankündigung heißt. Was eine gehörige Untertreibung ist. "Wir hatten ja nicht viel Zeit und wussten nicht, wie es laufen wird, deshalb wollten wir nicht zuviel versprechen", sagt Rüger. Doch es lief prächtig, Jacobacci schrieb gleich drei Nummern, der musikalische Rahmen mit Smilgies - nun ausschließlich am Bass - ist ebenso komplett neu wie annähernd die Hälfte der Texte. Fast ein echtes drittes Programm und eine echte Premiere also.

Das Ensemble der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, 39 Vorstellungen von Mi., 7. Nov., bis Mi., 23. Jan., 20 Uhr, Ursulastraße 9