Kabarett Mehr Liturgie

Holger Paetz im Fraunhofer

Von Oliver Hochkeppel

Er passt gut in eine Soutane, der Holger Paetz: mit seinem zerknautschten Gesicht, dem süßsauren Lächeln und der asketisch hageren Figur schon physiognomisch. Aber auch, weil der Veteran des guten alten politischen Kabaretts ja durchaus einen Zug zur Predigt und zum moralischen Appell hat, wenn auch normalerweise einen ironisch bis sarkastischen. Jedenfalls erwies es sich im Fraunhofer als gute Idee, ihn zur Fastenzeit als "Pater Paetz" in die Rolle des Bußpredigers schlüpfen zu lassen. Schon, weil sein wunderschönes Gewicht-Gedicht zur ernährungstechnischen Maßlosigkeit samt wissenschaftlicher Unterfütterung ("Zwei Drittel der bayerischen Frauen fühlen sich zu dick, die Männer nicht, die sind es einfach") dafür ein perfekter Einstieg war.

Noch schwergewichtiger ging es weiter. "Fürchtet Euch" war ja Titel und Tenor seiner Kanzelrede der anderen Art, und da diente zunächst die Nachlese des politischen Aschermittwochs als erstklassiger Grund. Fleißig hatte Holger Paetz Beispiele für den intellektuell, sprachlich wie empathisch kläglichen Zustand der aktuellen Politikerriege gesammelt. Etwa die "besten Sätze" des nun auf einmal zum gütigen Landesvater mutierten Markus Söder oder des Verkehrsministers Andreas Scheuer, auf den sich Paetz mit besonderem Vergnügen einschoss. So düster war das rund um Stuttgart 21, Tempolimit oder Artenschutz mitunter, dass zur Aufheiterung die gegenderte Nationalhymne oder gar der Berliner Flughafen herhalten mussten.

Vielleicht sollte Paetz außer der Ansprache der "lieben Gemeinde" und dem abschließenden gemeinsamen Gebetsspruch ("Wir bekennen") mehr Liturgie mit seinem kabarettistischen Vortrag koppeln, aber es war dies ja auch erst ein Versuchsballon, den er in den folgenden Jahren zur festen Einrichtung machen will. Außergewöhnlich und überzeugend waren vor allem die Ausflüge des Holger Paetz in die Lyrik. Davon könnten sich wiederum die Kirchenprediger etwas abschauen (bis Samstag).