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Kabarett:Durchblick dank Satire

Florian Scheuba zeigt in München sein erstes Soloprogramm.

(Foto: Christian Heredia)

In Österreich ist er längst ein Großer. Nun will Florian Scheuba auch München erobern

Interview von Oliver Hochkeppel

In Österreich ist der Wiener Kabarettist Florian Scheuba so prominent wie Alfred Dorfer oder Thomas Maurer. Kein Wunder, hat der 53-Jährige doch - seit er noch als Schüler "Die Hektiker" gründete, das zum erfolgreichsten österreichischen Kabarettensemble der Achtziger wurde - viel mit ihnen gearbeitet, auf der Bühne wie im ORF, von "Dorfers Donnerstalk" bis zu "Wir Staatskünstler" mit Maurer und Robert Palfrader. Hier gilt es Scheuba noch zu entdecken, wenn er mit seinem erst zweiten Soloprogramm "Folgen Sie mir auffällig" ins Lustspielhaus kommt.

SZ: Sie haben 2015 für "Bilanz mit Frisur" den Österreichischen Kabarettpreis bekommen. Statt dem Haupt- hätte es aber auch der Förderpreis sein können, war das doch nach 35 Jahren Kabarett ihr erstes Soloprogramm. Sind Sie ein eingefleischter Ensemblespieler?

Florian Scheuba: Zumindest bin ich so geprägt, ein bisschen wie die Graugänse vom Konrad Lorenz. Ich habe mit 16 so angefangen und dann immer mit anderen zusammengearbeitet, bin also sehr dran gewöhnt. Ich habe das auch immer als Qualität empfunden, weil es einfach ein schönes Arbeiten ist, etwas mit Menschen auf die Beine zu stellen, die man auch privat mag.

Wie kam es dann zum Soloprogramm?

Das ist eigentlich eher passiert, da war kein Masterplan dahinter. Ich hatte mein erstes Buch geschrieben und machte Lesungen, bei denen ich immer noch Geschichten dazu erzählte. Die sind dann immer mehr geworden, bis ich mir dachte, da sollte man eigentlich ein Programm daraus machen.

Das dann eher rückblickend, eine Bestandsaufnahme wurde. Ist "Folgen Sie mir auffällig" so gesehen ihr erstes richtiges Soloprogramm?

Könnte man fast sagen. Es ist jedenfalls erstmals ganz dafür konzipiert.

Spielt das Ökonomische auch eine Rolle?

Ich komme aus einer Zeit, wo noch für mehrere eine wirtschaftliche Grundlage zu holen war, allein über den Tonträgerverkauf. Das geht heute nicht mehr so. Es stimmt also schon, das Marktmodell heute sagt eher: Du musst solo spielen.

Viele ihrer österreichischen Kollegen sind in Deutschland viel bekannter als Sie. Liegt das auch daran, dass die mehr solo gespielt haben?

Ja, natürlich. Vom Alfred (Dorfer, Anm. d. Red.) weiß ich zum Beispiel, dass er sehr viel Zeit und Mühe investiert hat, in Deutschland herumzufahren. Und ich weiß, dass er auch langsam müde wird. Also, man zahlt schon einen Preis dafür. Bei mir hat sich das einfach nicht so ergeben. Wir haben zwar schon mit den Hektikern bis Frankfurt hinauf gespielt, aber wir sind dann oft schon sprachlich auf Barrieren gestoßen. Und hatten auch nicht den letzten Ehrgeiz, Deutschland zu erobern.

Den Sie natürlich jetzt mit "Folgen Sie mir auffällig" entwickeln?

(lacht) Na, das ist ja jetzt keine große Deutschland-Tournee, das ist erst einmal ein Versuch in München. Das Lustspielhaus hat ja dabei eine gewisse Tradition, weil ich schon mit den Hektikern und mit dem Thomas und dem Robert immer mal hier war.

Sie sind ein ausgesprochen politischer Satiriker, der sehr rechercheorientiert arbeitet. Wären Sie mit etwas weniger Lust an der Pointe Journalist geworden?

Na ja, es ist ein bisschen ein Grenzgebiet, das sich aber in den vergangenen Jahren stark verschoben hat: Wir erleben etwa in Amerika das Phänomen, dass sich viele junge Leute mehr über die Satire informieren als über die klassischen Informationssendungen. Phänomene wie ein John Oliver haben auch eine journalistische Verantwortung - und das haben wir auch aufgegriffen. Ich alleine könnte das natürlich nicht stemmen. Ich bin davon abhängig und habe das Glück, dass ich gute Freunde habe, die Investigativ-Journalisten sind. Mit denen setze ich mich zusammen, um zu sehen, wie man das übersetzen kann. Wie man komplexe Zusammenhänge so zusammenfassen kann, dass sie möglichst viele Leute verstehen. Die Satire hilft, dass sich die Leute das eher merken und eher etwas damit anfangen können.

Wächst der Bedarf für diese Übersetzertätigkeit angesichts der Beschleunigung auch der Medien?

Absolut. Ich habe inzwischen auch schon erlebt, dass mich ein Redakteur des ORF vor einer Diskussionssendung anruft und mich fragt: "Wir reden heute über Eurofighter-Gegengeschäfte - kannst du es mir kurz noch einmal erklären?" Das freut mich natürlich eh.

Um das ins Rutschen gekommene Verhältnis zwischen Fakten und Fake geht es im neuen Programm explizit?

Genau. Das baut auch auf dem Buch mit meinen Kolumnen im Standard auf, und viele freuen sich, dass sie bei so viel Information hinterher etwas Schriftliches Mitnehmen können.

Naturgemäß dreht es sich bei Ihnen um österreichische Themen. Verändern Sie das Programm für den München-Auftritt?

Es gibt einen Teil mit österreichischer Innenpolitik, den werde ich sicher bearbeiten. Aber im Großen und Ganzen geht es schon um Themen, die in Deutschland nicht anders sind als bei uns. Von "Online Reputation Management"-Firmen, die gefälschte Postings verkaufen, bis zum aus Amerika kommenden "effektiven Altruismus", den man messen kann: in Geld.

Florian Scheuba: Folgen Sie mir auffällig; Samstag, 23. Februar, 20 Uhr, Lustspielhaus, Occamstraße 8

© SZ vom 21.02.2019
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