Kabarett:Bisschen irre

Lesezeit: 1 min

Hazel Brugger sorgt im Vereinsheim für Begeisterung

Von Thomas Becker

Boris Becker wurde König von Wimbledon mit 17, Pele wurde zum ersten Mal Weltmeister mit 17 - und Hazel Brugger spielte zum ersten Mal im Vereinsheim mit 22. Und nicht nur das: In der ARD trat sie bei Dieter Nuhr auf, im ZDF erklärte sie in der "Anstalt", warum "Kabarett von rechts" gerade total easy wäre, und für die "heute show" suchte sie auf sehr unterhaltsame Weise die Süßwarenmesse heim. Außerdem sind gerade ihre gesammelten Kolumnen aus dem Magazin des Tages-Anzeigers in Buchform erschienen.

So eine hat gefehlt: jung, frech, schlau, lustig, ein bisschen irre und eine, die ganz schön grimmig schauen kann. In einem Alter, in dem sich Zeitgenossen in irgendeinem Bachelor-Studium langweilen oder mit dem Rucksack um die Welt ziehen, ist Hazel Brugger längst voll im Geschäft: Ihr Tourplan reicht bis Mai 2017. Konkurrenz in ihrer Altersklasse? Nicht wirklich. Hosea Ratschiller oder Carolin Kebekus, die noch als junge Wilde gelten, sind schon Mitte 30. Und was erzählt uns so ein Jungspund nun von der Welt und wie sie sie sieht? Hm. Thematisch lässt sich das schwer fassen, kommt aber jedenfalls so nassforsch rüber, dass man nonstop am Giggeln oder Kopfschütteln ist.

Mit 19 wurde Hazel Brugger Schweizer Meisterin im Poetry-Slam, die Interaktion mit dem Publikum ist ihr wichtig, jeden Huster nimmt sie dankbar auf, erzählt vom "Comedy sperm", von der Entstehung des Lebens, erklärt, warum sie keine Kinder mag, sie aber zugleich faszinierend findet: "Die sind so ehrlich." Um was geht's noch? Brustverlängerungen, unerigierte Penisse, alles in schön drastisch ausgewalzten Bildern. Provokation muss sein, klar. In ihrer selbstverfassten Kritik schreibt sie: "Brugger weiß auch unter der Gürtellinie zu begeistern." Außerdem will sie sich ausstopfen lassen, weiß aber nur noch nicht, in welcher Position. Realität findet sie unsexy, Romantik doof. Angepasst kann man Hazel Brugger nun wirklich nicht nennen. Und dafür gibt's im schwer begeisterten Vereinsheim nach getaner Arbeit die einzig passende Premierenblume: einen Kaktus.

Hazel Brugger, Mo. und Di., 9. und 10. Mai, 19.30 Uhr, 1. und 2. Juni, Vereinsheim, Occamstr. 8

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB