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Boyband BTS:Die Eroberung des Westens

Die südkoreanische Boyband BTS im Januar bei den Seoul Music Awards.

(Foto: AFP)

Weltweit strömten Fans von K-Pop für einen Tag ins Kino, um einen Konzertfilm der südkoreanischen Boyband BTS zu feiern. Was steckt hinter dem Hype? Ein Besuch.

Als das dunkle Stadion mit einem Schlag hell erleuchtet wird und die Zugabe beginnt, werden auch im Münchner Mathäser-Kino Leuchtkugeln gezückt und im Rhythmus geschwungen. Das bunte Lichtermeer scheint von der Leinwand in den Saal herüberzuschwappen. Ausnahmsweise herrscht hier in Saal sechs nicht geborgene Kino-Kuschel-Atmosphäre: Die Nadel der provisorisch installierten Schallmessungs-App tanzt um die 100-Dezibel-Marke herum.

Nicht nur im Multiplex-Kino im Münchner Zentrum werden an diesem Samstagnachmittag synchron Leuchtkugeln geschwungen und Stimmbänder wie Trommelfelle auf eine Zerreißprobe gestellt. In Hunderten Kinos in mehr als 90 Ländern herrscht an diesem Samstag Ausnahmezustand. Der Konzertfilm, der nur einen Tag lang aufgeführt wird, zeigt den Auftakt der Welttournee der südkoreanischen Boyband BTS (kurz für Bangtan Sonyeondan - kugelsichere Pfadfinder), die im August 2018 in Seoul startete und später auch Stopp in Berlin machte.

Obwohl es sich also nicht um eine Live-Übertragung handelt, entsteht doch eine Aura globaler Gleichzeitigkeit für die über die Welt verstreute Fangemeinde, die sich sonst nur online vernetzt.

Im World Wide Web war die Vorfreude groß. Wenige Stunden vor dem Event schrieb eine Nutzerin auf Twitter etwa: "Heute ist es soweit! Das wird das erste Mal, dass ich BTS woanders als auf meinem Computer erleben werde!"

Ein Kino-Event als globaler Siegeszug des K-Pop

Immer wieder erschallt im Kinosaal ein Schlachtruf: "Kim Namjoon, Kim Seokjin, Min Yoongi, Jung Hoseok, Park Jimin, Kim Taehyung, Jeon Jungkook, BTS!" Fast 800 Zuschauer haben sich eingefunden und besingen die Namen der sieben männlichen Bandmitlgieder. Lucia ist mit ihrer vierköpfigen Familie gekommen, die sie nach und nach "infiziert" hat. Wenn sie am Wochenende heimkommt, werde nur BTS gehört, erzählt ihr Vater. Zu Streit scheint das nicht zu führen. Mit ihm war Lucia im Herbst auch beim Konzert in Berlin. Heute will sie "den schönsten Tag ihres Lebens" mit der Filmversion wiederaufleben lassen.

Das weltweite Kino-Event steht stellvertretend für den globalen Siegeszug des K-Pop. Das Musikmagazin "Rolling Stone" sprach schon von einer "Eroberung des Westens". Und die erfolgt vor allem über die sozialen Netzwerke. Zwei Mal hintereinander wurden BTS in den USA zuletzt als Top Social Artist ausgezeichnet, als erfolgreichste Künstler im Netz - vor Superstars wie Justin Bieber und Demi Lovato. Im August 2018 brachen sie mit der Single "Idol" Taylor Swifts Rekord für die meisten Youtube-Klicks binnen der ersten 24 Stunden. Mehr als 45 Millionen Mal wurde das Musikvideo am ersten Tag seiner Veröffentlichung aufgerufen.

"Idol" ist gleich das Lied, mit dem die Band vor den 90 000 in Seoul und den 800 in München loslegt: Reggeaton-Beats, Hip-Hop und ein Refrain mit Mitsing-Oh-Oh-Ohs lässt erahnen, wie viel hier in den musikalischen Mixer geworfen wird - für jeden soll etwas dabei sein. In den koreanischen Liedtext mischen sich zudem einzelne Stellen auf Englisch: "You can call me idol. (...) I don't care" - Du kannst mich ein Idol nennen. (...) Das ist mir egal. Die Jungs kommen mit ihrer Rolle als Pop-Produkte klar.

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