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Junge Kritiker:Gedankenleser

Ein Thriller über die Jagd auf andere entwickelt sich zu einem spannenden, ungewöhnlichen Spiel zwischen Jäger und Opfer.

Eigentlich führt Lucy Shaw ein ganz normales Leben, jedenfalls bis zu dem Tag, an dem ihre große Schwester entführt und ermordet wird. Als Ciaran in ihr Elternhaus einbricht und Lucy ihn dabei erwischt, wie er nach der Urne ihrer Urgroßmutter sucht, will sie natürlich wissen, was hier los ist. Ciaran Bain ist nämlich kein gewöhnlicher Junge, sondern ein Gedankenleser, der obendrein auch noch Lucys Schwester Vivien gekidnappt und seiner Familie ausgeliefert hat - die Vivien dann aus dem Weg schaffte. Warum Vivien sterben musste? Ganz einfach: Sollte bekannt werden, dass Gedankenleser existieren, würde die Regierung sie auf dem Seziertisch auseinandernehmen. Lucys Urgroßmutter hat bereits solche Experimente an Ciarans Urgroßvater durchgeführt. Zwar hat sie vor ihrem Tod verlangt, dass ihre Forschungsberichte ausnahmslos vernichtet werden, nur hat Vivien unglücklicherweise eine Kopie der Unterlagen angefertigt und diese dann in der Urne versteckt. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt nun für Ciaran, der alle Hebel in Bewegung setzt, um seine Familie zu beschützen, und für Lucy, die Rache an Ciaran Bain nehmen will. Wer wird gewinnen?

"Mindblind" ist ein Krimi zum Mitfiebern, eine Story, in der man richtig versinken kann - und lange Zeit ist nicht klar, wer die Guten und wer die Bösen sind. Die Geschichte regt zum Nachdenken darüber an, wie wir mit Menschen, die anders sind, umgehen. Was uns fremd ist, macht uns Angst, und oft verlieren wir dann unseren Respekt vor anderen Menschen. Das Besondere an dem Buch sind die Hauptfiguren, die jeweils die Geschichte aus ihrer Perspektive erzählen. Durch die unterschiedliche Sichtweise kann man sich in beide hineinversetzen, so verschieden sie auch sind. Eigentlich sollten sie sich hassen, aber es entwickelt sich im Laufe des Buches eine Freundschaft zwischen ihnen, auch weil Ciaran sich für Lucy verantwortlich fühlt.

Die Story hat mich wirklich gefesselt: Sie ist spannend, temporeich geschrieben, mit ein bisschen Fantasy und viel Action. Hin und wieder wird es auch richtig lustig, und ich musste schmunzeln. Aber sie hat mich auch deswegen berührt, weil ich mit denjenigen, die "anders" sind, mitfühlen konnte. - Jeder sollte so geschätzt und akzeptiert werden, wie er ist, ohne Angst haben zu müssen. (17)

Lari Don: Mindblind. Aus dem Englischen von Anne Brauner. Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2019. 340 Seiten, 18.00 Euro.