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Kino:"Julieta" - Es war einmal ein Punk

Kinostart - ´Julieta"

Der Film springt zwischen Provinz und Madrid, früher und heute, junger und alter Julieta (hier im Bild: Adriana Ugarte).

(Foto: Tobis)

Für sein Melodram adaptiert Pedro Almodóvar drei Kurzgeschichten der Nobelpreisträgerin Alice Munro. Er knüpft an seine besten Zeiten als Bürgerschreck an.

Auf dem Tisch steht eine Kunstfigur, ein Torso ohne Arme und Beine, amputiert und versehrt. Vorsichtig packt eine Frau die Figur in Luftpolsterfolie und dann in einen Umzugskarton. Ihr Name ist Julieta. Sie ist dabei, mit ihrem Freund Madrid zu verlassen und nach Portugal zu ziehen. Madrid, das sind zu viele Erinnerungen. Portugal verspricht ein neues Leben ohne die Last der Vergangenheit.

Doch dann begegnet Julieta auf der Straße einer Frau, die sie von früher kennt: Bea, eine alte Freundin ihrer Tochter. Und wir erfahren, dass Julieta diese Tochter schon sehr lange nicht mehr gesehen hat, sodass sie nicht einmal weiß, wie und wo sie lebt.

Julieta ähnelt ein bisschen jener Kunstfigur, die sie gerade eingepackt hat: Arme und Beine hat sie zwar noch, aber ihr fehlt ein wichtiger Teil, sie hat ihr Kind verloren. Nun will sie vor der schmerzhaften Vergangenheit nicht mehr davon laufen, weswegen sie den Umzug kurzerhand absagt und in ihr altes Apartment in Madrid zieht.

Dort beginnt sie ihre Geschichte aufzuschreiben, in der Form eines Briefs an die Tochter, und diese Geschichte wird uns nun in einer fiebrigen Rückblende erzählt.

So springen wir aus der Gegenwart in die Achtzigerjahre, in einen Zug, der durch eine winterliche Landschaft fährt. Hier wird Julieta zwei Männer kennenlernen, die ihr Leben bestimmen werden. Aber diese Julieta ist nicht mehr die gleiche wie zuvor: Die ältere wird von Emma Suárez gespielt, die jüngere von Adriana Ugarte.

Almodóvar war schon immer ein großer Realist, der die spanische Gesellschaft genau beobachtet hat

Die verschiedenen Gesichter der Julieta prägen den zwanzigsten Film des Spaniers Pedro Almodóvar entscheidend. Denn dieser erzählt auch von den vielen Gesichtern des Regisseurs.

Die Reise in die Vergangenheit seiner neuen Hauptfigur ist auch eine Reise in seine eigene Vergangenheit. Ein Streifzug durch seine bisherigen Filme und die Zeiten, in denen sie entstanden sind, von den Achtzigern bis heute.

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Der Filmemacher, der oft für seine poppigen Dekors und Kostüme, seine schrillen Figuren und fantastisch-romantischen Geschichten verehrt wird, war immer auch ein großer Realist, der die Veränderungen der spanischen Gesellschaft begleitet hat.