Da glaubt man, auf dem Theater schon alles gesehen zu haben, dann trifft man auf die Schauspielerin Victoria Quesnel. Sie spielt Jekaterina Iwanowna, Titelfigur des Stücks von Leonid Andrejew, das den Kern dieses in jeder Hinsicht überbordenden Abends bildet. Gleich zu Beginn glaubt sich ihr Gatte von ihr betrogen, er schießt drei Mal auf sie, sie überlebt (vermutlich) und stürzt sich in einen Wahn, der Stunden andauern wird. Quesnel geifert, brüllt in tiefsten Lagen, windet sich in Konvulsionen, der emotionale Ausnahmezustand erfasst ihren ganzen Körper, sie rollt die Augen, reißt den Mund auf, steckt eine Faust hinein, streckt die Zunge heraus, leckt an Leibern und anderem, spreizt die Arme und Hände ab. Ihre Jekaterina macht dann das, was ihr der Gatte vorwarf, giert nach Liebe, schläft mit jemanden, nur weil der völlig unbedeutend ist, wandelt sich in Salome, tanzt einen Tanz der größtmöglichen Befreiung, stirbt und fliegt wie in einem trashigen Horrorfilm.
Salzburger FestspieleAlle heulen, kreischen, nerven
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Jekaterina Iwanowna (Victoria Quesnel) beim theatralischen Exorzismus in Julien Gosselins „Le Passé“.
Simon GosselinJulien Gosselins Gastspiel „Le Passé“ bei den Salzburger Festspielen ist eine hysterisch laute Zumutung. Ist das die Rache der scheidenden Schauspieldirektorin?
Von Egbert Tholl
