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Neuer Julie-Delpy-Film:Isabell will einen Klon, Isabell kriegt einen Klon

Mutterfreuden: Isabell (Julie Delpy) und ihre Tochter Zoe (Sophia Ally).

(Foto: Warner)
  • Die Regisseurin Julie Delpy widmet sich in ihrem neuem Film einem ernsten Thema: einer Mutter, die ihr Kind verliert und irgendwie weiterleben muss.
  • Nachdem Delpy zunächst ein Beziehungsdrama über eine Trennung schildert, lenkt die Französin den Film in Richtung Science Fiction.
  • Dabei wird aber leider nur die Selbstgefälligkeit der Helden bedient.

Die französische Schauspielerin und Regisseurin Julie Delpy, die in ihren Komödien und Romanzen sonst eher einen leichten Ton anschlägt, wechselt diesmal auf die düstere Seite. Sie zeigt im Drama "My Zoe" eine harte Trennung. An sich keine schlechte Idee, weil Beziehungen im Kino mittlerweile meistens schmerzfrei bis komödiantisch auf die Leinwand kommen. Mal wieder zu sehen, zu welch gegenseitiger Zerstörung es führen kann, wenn ein Paar auseinandergeht, ist ein anständiger Realitätscheck.

Delpy, die auch das Drehbuch geschrieben hat, spielt die Ex-Frau, gerade befasst mit den Regeln, die ihre Tochter mal ihr, mal ihrem Ex-Mann zuteilen: Exakt gleich viel Zeit soll die siebenjährige Zoe bei jedem Elternteil verbringen. Das Kind hat eine zentrale Rolle in den Streitereien der Eltern, die gern vergessen, dass es im Nebenzimmer mithört. Sie schachern mit der und um die Liebe von Zoe. Rücksichtslos wird sie instrumentalisiert als die Beute, die es in diesem Ehekrieg zu holen gibt.

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Die Trennung dient auch dazu, das Verhältnis der Mutter zum Kind zu illustrieren. Das Possessivpronomen steht nicht zufällig im Titel, Isabell ist ziemlich besessen von ihrer Tochter. Es regnet stetig Küsse und Liebkosungen - was wird Isabell tun, wenn Zoe dreizehn ist und ihre Zimmertür absperrt? Aber zu solchen Fragen kommt ihr Film nicht. Das Frauenbild, das er vermittelt, stellt klar: Kinder sind das Beste. Zoe ist der Sinn von Isabells Leben, sie muss es bleiben.

Ein Dialog über Ethos und Moral wird anstandshalber geführt

Das wird aber schwierig, denn auf halber Strecke stirbt Zoe aus dem Film heraus: Koma, Krankenhaus, keine Rettung. Damit allerdings will Isabell sich nicht abfinden. Also lenkt Delpy ihren Plot ins Science-Fiction-Genre um, genauer gesagt nach Moskau, wo die experimentierfreudigen Gentechniker arbeiten. Einen davon sucht Isabell auf und verlangt von ihm, Zoe zu klonen. Anstandshalber wird ein Dialog über Ethos, Moral und späte Schwangerschaft geführt, bis Julie Delpy ihre Hauptfigur feststellen lässt, dass den weißen, wohlhabenden Erste-Welt-Frauen letztlich auch das Privileg zustehen sollte, sämtliche Möglichkeiten der Wissenschaft zu nutzen. Diese These vertritt der Film ab jetzt, ohne einen Hauch von Ironie.

Damit ist gleichzeitig die Geschichte zu Ende. Zwar geht es weiter, Isabell will einen Klon, Isabell kriegt einen Klon, aber all die emotionalen, psychologischen, soziologischen Abenteuer, die mit diesem Thema verbunden sein könnten, werden schlicht ignoriert. Bloß die Selbstgefälligkeit der Heldin wird bedient. Delpy selbst sagt dazu, es ginge ihr darum, Frauen die Chance zu geben, Grenzen zu überwinden, sie könnten im Film "My Zoe" Neuland betreten. Aber hier irrt sie. Der Eigennutz, der ihre Figuren auszeichnet, ist kein Neuland. Vor allem aber ist die Idee des Klonens kein frisches Thema im Science-Fiction-Kino. Die Mad Scientists, die irren Wissenschaftler, gehören zu den Klassikern des Genres. Sie bestimmen dort die Zukunft mit allen denkbaren Ausgaben ihrer Lieblingsmenschen. Und es hat noch jeder Schundfilm aus dem Thema mehr herausgeholt als Julie Delpy.

My Zoe, D, F, UK, 2019. Regie, Buch: Julie Delpy. Mit Julie Delpy, Richard Armitage, Daniel Brühl, Gemma Arterton. Warner Bros. 102 Minuten.

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