Interview mit dem Habermas-Biografen Philipp Felsch:„Ein zivilisatorischer Rückfall“

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Immer zwischen Realismus und Idealismus: Jürgen Habermas 2012 auf dem Deutschen Juristentag in München. (Foto: Johannes Simon)

Ist die Haltung von Jürgen Habermas zum Ukraine-Konflikt von „naivem Pazifismus“ geprägt, wie ihm Kritiker vorhalten? Nein, sagt der Ideenhistoriker und Habermas-Biograf Philipp Felsch. Es geht um viel mehr.

Von Jens-Christian Rabe

An einer bestürzenden Schlüsselstelle in seinem jüngst erschienenen Buch „Der Philosoph“ erzählt der Berliner Ideenhistoriker und Habermas-Biograf Philipp Felsch, wie ihm Jürgen Habermas gesteht, dass er im Zuge der Diskussionen um den Ukrainekrieg das erste Mal die deutsche Öffentlichkeit nicht mehr verstanden habe. Er spüre eine Kriegsbegeisterung, die ihn zutiefst befremde. Ganz in diesem Sinne ist insbesondere in den älteren Generationen des Landes die Skepsis gegenüber der neuen deutschen Kriegsbereitschaft weiter groß. Über Parteigrenzen hinweg. Kanzler Olaf Scholz und seine bei der Europawahl gerade hart abgestrafte SPD ringen weiter um den richtigen Kurs. Mit naivem Pazifismus, den Habermas das Land angeblich gelehrt habe, habe das allerdings nichts zu tun, sagt Felsch. Das geistige Erbe Habermas’, von dem wir uns gerade verabschieden, wiege viel schwerer.

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