Wer im vergangenen Mai die Frankfurter Poetikvorlesungen Judith Hermanns versäumt hat, der kann sie jetzt in Buchform nachlesen. Und wird schnell merken, wie sehr diese oft überschwänglich gepriesene und kultisch verehrte, aber auch boshaft bespöttelte Berliner Erzählerin ihre suggestiven Methoden inzwischen verfeinert hat. In ihrem siebenten Buch, nach vier Bänden von Short Storys und zwei kurzen Romanen binnen 25 Jahren, führt die inzwischen 53-jährige Autorin die Stärken und Schwächen ihres lakonischen Erzählstils so selbstgewiss vor, dass die oft beanstandeten Defizite ihres Schreibens als dessen eigentliche Vorzüge erscheinen.
PoetikDer Blick in Judith Hermanns literarische Werkstatt
Lesezeit: 4 Min.

In "Wir hätten uns alles gesagt" geht die Autorin klug und poetisch dem Zauber ihres eigenen Schreibens auf den Grund - mit horrendem autobiografischen Material.
Von Sigrid Löffler
