Am 7. November 1938 erschoss der junge Herschel Grünspan einen Mitarbeiter in der deutschen Botschaft in Paris. Eine Tat im Mute der Verzweiflung als Rache und Protest gegen die erzwungene und menschenunwürdige Abschiebung von 17 000 deutschen Juden nach Polen, darunter Grünspans Eltern. Der Widerstand Grünspans ist im heutigen kollektiven Gedächtnis kaum präsent. Dass sich Juden gegen die Unmenschlichkeit der Nazis zur Wehr setzten, hat sich im allgemeinen Geschichtsbild kaum durchgesetzt. Für die NS-Führung war die Tat hingegen der ideale Anlass, den antisemitischen Mob loszulassen. Die Novemberpogrome waren mitnichten "spontane Kundgebungen". Es waren fein säuberlich orchestrierte und inszenierte Gewaltakte von SA- und SS-Truppen.
Meinung9. NovemberWas bedeutet euch noch die Erinnerung an die Shoah?
Gastbeitrag von Josef Schuster
Lesezeit: 6 Min.

Wir erleben einen Paradigmenwechsel in Deutschland: Die Erinnerung an den Holocaust steht zur Disposition.
