Jonathan Franzen schaltet sich aus seinem Arbeitszimmer in Santa Cruz ins Videotelefonat. Die Jalousien sind heruntergelassen, in Kalifornien ist es früher Nachmittag. Er bedankt sich höflich, dass man in Deutschland, wo es bereits kurz vor 23 Uhr ist, so lange aufgeblieben ist. Aber seine Vormittage sind ihm heilig, da muss er schreiben. Der 66-Jährige gehört seit seinem Durchbruch mit dem Roman „Die Korrekturen“ (2001) zu den bedeutendsten Schriftstellern der Gegenwart. Wenn er nicht schreibt, dann reist er um die Welt für seine zweite große Leidenschaft: das Vögelbeobachten. In seiner Funktion als Birder ist er auch einer der Protagonisten des hübschen Dokumentarfilms „Watching People Watching Birds“, der auf dem Münchner Dokfest läuft, das am 6. Mai beginnt. Franzen kennt die Stadt gut, er hat hier studiert. Auch die Sprache beherrscht er hervorragend. Das Gespräch findet zwar auf Englisch statt. Aber er hilft immer wieder mit deutschen Vogelnamen und anderen Vokabeln aus, sobald das ornithologische Sprachrepertoire des Reporters an seine Grenzen kommt.
Literatur„Wer Vögel beobachtet, hat weniger Angst vor dem Tod“
Lesezeit: 9 Min.

Der Schriftsteller Jonathan Franzen erzählt von seiner Studentenzeit in Schwabing, seiner Wut auf Katzen und weshalb er glaubt, dass man den Klimawandel nicht mehr aufhalten kann.
Interview von David Steinitz
