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Johnny Rotten für Trump:Meisterdepp vom Dienst

NY The Art of Punk Rock New York s Museum of Art and Design opens their exhibition Too Fast to Li

Johnny Rotten ehemaliger Sänger der "Sex Pistols" und Oberpunk.

(Foto: imago images / Pacific Press Age)

Macht man auf sein neues Buch in diesen Zeiten besser mit einem netten Wort für Joe Biden aufmerksam? Oder mit einem Bekenntnis zu Donald Trump? Über die strukturelle Blödheit von Pop am Beispiel Johnny Rotten.

Von Jens-Christian Rabe

Etwas mehr vielleicht noch als die anderen Künste kann Pop Unvernünftiges (oder gerne auch Behämmertes) aufregend und bedenkenswert erscheinen lassen, Vernünftiges dagegen überflüssig und langweilig (was viele deutsche Popstars nie verstanden haben, weshalb sie nur in Deutschland weltberühmt wurden).

Der Popstar, der von diesem grandiosen Effekt womöglich am meisten profitiert hat, ist John Lydon alias Johnny Rotten, einst "Sänger" der Sex Pistols, danach ewiger Oberpunk und über die Jahre mal Anti-Thatcher und mal Anti-Blair, mal Anti-Royalist und mal Verteidiger der britischen Royals, mal Anti-Sozialist und mal Anti-Klassist, mal Pro-Europa und mal Pro-Brexit. Anders gesagt: Der Mann ist auch in seinem 65. Lebensjahr der ordnungsgemäß total zuverlässige Meisterdepp vom Dienst - oder wie man als Angehöriger der Mittelklasse sagen könnte: John Lydon gibt den radikalen Individualisten.

"Und er macht es immer noch."

Im britischen Observer bekannte sich der einstige Obama-Unterstützer Lydon jetzt mal wieder von Herzen zu Donald Trump. Bevor man nun aber glaubt, die alten Punker seien schon besonders überfordert mit den politischen Zeitläuften, sei nur auf den weisen britischen Komiker Ricky Gervais verwiesen, der Lydons Gerede gerade mit den Worten kommentierte: "Es gibt da diesen verrückten Mythos, dass Punk eine linke Revolution gewesen sei. War es nicht. Es war Rock'n'Roll mit Sicherheitsnadeln. Jede Art, dir auf die Nerven zu gehen, war ihnen recht. Und er macht es immer noch." Gerade ist "I Could Be Wrong, I Could Be Right" erschienen, die neue Autobiografie von Lydon.

Frage: Macht man darauf in diesen Zeiten als Oberpunk besser mit einem netten Wort für Joe Biden aufmerksam? Oder mit einem Bekenntnis zu Donald Trump? Oh, wir verdammten Penner.

© SZ vom 15.10.2020

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