Amber Heard vs. Johnny Depp:Danke für die Show

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2015 waren Johnny Depp und Amber Heard noch ein Paar. Inzwischen treffen die beiden nur noch in Gerichtssälen aufeinander. (Foto: Valerie Macon/AFP)

Ausgerissene Haare, blaue Flecken und eine abgeschnittene Fingerkuppe: Die schwer zu ertragende Demontage zweier nicht so stabiler Menschen ist zum dominierenden Smalltalk-Thema geworden. Inwiefern ist das relevant für das Weltenschicksal?

Von Julia Werner

Wenn man nicht von so realen Gestalten wie Kindern oder Lebenspartnern oder von festen Jobs belästigt wird, hat man vielleicht die letzten Wochen jeden Tag fünf Stunden vor dem Youtube-Channel von Law & Crime verbracht und sich den Prozess Depp gegen Heard und umgekehrt reingezogen. Kurze Zusammenfassung der Geschehnisse, um all die Gesunden reinzuholen, die von dem Wahnsinn nichts mitbekommen haben, weil sie zum Beispiel lieber Bücher lesen: Der Schauspieler Johnny Depp, bekannt aus 90er-Jahre-Mädchen-Träumen, millionenschweren Piratenkomödien und phantastischen Tim-Burton-Filmen, hat angeblich seine Ex-Frau Amber Heard im zugesoffenen Drogen-Rausch getreten, geschlagen und mit einer Glasflasche vergewaltigt. Nach der Scheidung verfasste die angeblich misshandelte Ehefrau einen Artikel in der Washington Post über das System, das immer noch mächtige Männer schützt, und in dem sie sich als Repräsentationsfigur für Opfer häuslicher Gewalt bezeichnet. Alles, ohne Depp namentlich zu erwähnen, woraufhin er sie auf Verleumdung verklagte. Und das, nachdem ein englisches Gericht bereits festgestellt hatte, dass eine andere Zeitung den Schauspieler als "Frauenschläger" bezeichnen darf - weil die Faktenlage so eine Bezeichnung zulasse.

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