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Joan As Police Woman im Interview:"Geister können mir nichts mehr anhaben"

Joan As Police Woman

Joan As Police Woman im Studio.

(Foto: Michael Galinsky)

Auf ihrem neuen Album "The Classic" klingt die Wahl-New Yorkerin Joan Wasser alias Joan As Police Woman so soulig, optimistisch und beschwingt wie nie. Ein Gespräch über Licht- und Schattenseiten der Liebe, Nostalgie und Adoptiveltern.

Aus der Vita von Joan Wasser könnte man ein Drehbuch basteln: Als Baby von ihren Eltern zur Adoption freigegeben, wächst sie in Norwalk, Connecticut auf, begeistert sich früh für die Violine und studiert später in Boston Musik - allerdings nur, um sich bald von der Klassik ab- und mitsamt Violine dem Punk zuzuwenden.

Es folgen erste Platten mit der Indierock-Band "Dambuilders", ein Schicksalsschlag, Touren als Musikerin für Antony & The Johnsons, Rufus Wainwright und Lou Reed - und erst mit Mitte 30 eine Solokarriere unter dem Namen Joan As Police Woman.

Nun hat die 43-Jährige ihr fünftes Album "The Classic" veröffentlicht, auf dem sie sich ebenso versiert in Soulgefilden tummelt wie im Doo-Wop oder im Reggae - eine musikalische Probierfreude, die man auch als Zeichen einer neuen Entspanntheit werten darf.

SZ.de: Ms. Wasser, es heißt, Ihr neues Album sei das erste, das Sie als Single geschrieben und aufgenommen haben. Wie hat sich das denn auf "The Classic" ausgewirkt?

Joan Wasser: Ein wesentlicher Faktor bei der Entstehung dieses Albums war der Umstand, dass ich zu dieser Zeit endlich einmal nicht meine ganze Energie in jemand anders fließen ließ, sondern in mich selbst. Und dann war da dieses großartige Gefühl von Freiheit, nach dem ich mich sehr gesehnt habe. Natürlich kann man sich auch in einer Beziehung frei fühlen - nur war das bei mir leider schon länger nicht mehr der Fall. Mehr Energie, mehr Freiheit, das sind wohl die Gründe, warum dieses Album weniger melancholisch und auch stilistisch offener als die anderen ausgefallen ist.

Dafür schwärmen und schwelgen Sie umso mehr. Etwa im Titelstück, in dem Sie den "ultimativen Lover" besingen. Haben Sie sich während der Aufnahmen etwa wieder verliebt?

Nein, nein, das kam erst danach! Es finden sich zwar viele Liebeslieder auf dem Album, sie beziehen sich aber nicht auf eine konkrete Person, eher auf eine Art Ideal, das ich hoffte, irgendwo da draußen zu finden - und jetzt möglicherweise gefunden habe.

Auf der anderen Seite gibt es auch wieder dunklere Stücke zu hören, die als Beziehungs-Reflexion angelegt sind. In "Good Together" wirkt das lyrische Ich emotional sehr verwirrt, regelrecht zerrissen.

Dieser Song handelt von der Phase ganz am Ende meiner letzten Beziehung. Diese Phase, wenn du weißt, dass es vorbei ist, dass es einfach nicht mehr funktioniert - und man trotzdem noch Liebe für die Person empfindet.

Beim Hören lässt sich dieser Zwiespalt gut mitverfolgen.

Ja, es ist schon komisch, wenn du an einem Tag denkst "Ein Glück, damit bin ich durch" und am nächsten "Oh, aber vielleicht könnten wir uns ja vielleicht doch noch mal treffen, und ...". Es macht dich wahnsinnig, weil du emotional hin und herspringst. Diesen Zustand wollte ich abbilden.

Im Refrain ermahnen Sie sich dann immer wieder: "I don´t want to be nostalgic for something that never was." Schon seltsam, dass wir in Beziehungsfragen immer wieder zur romantischen Verklärung neigen.

Grundsätzlich finde ich, dass es ein sehr schöner menschlicher Wesenszug ist, sich in diesen Fällen bevorzugt an die guten Zeiten zu erinnern, auch wenn man damit die weniger tollen Momente und Phasen ausklammert und sich weigert anzuerkennen, dass man als Paar einfach nicht kompatibel war.

Die Erinnerung schönt und selektiert, wo sie nur kann ...

Und das ist auch gut so! Wenn ich mir vorstelle, dass diese Gefühle, die ich hatte, als jemand starb, der mir sehr nah war, überdauern würden - grauenhaft! Es wäre uns wohl kaum möglich, unser Leben fortzuführen, wenn so etwas bleiben würde.