Zum Tod von Jim Stewart:Wohltäter des Soul

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Zum Tod von Jim Stewart: "Stax"-Gründer Jim Stewart (mit Bart in der Mitte) zwischen Studenten der Stax Music Academy im April 2013 in Memphis.

"Stax"-Gründer Jim Stewart (mit Bart in der Mitte) zwischen Studenten der Stax Music Academy im April 2013 in Memphis.

(Foto: Adrian Sainz/AP)

Der Musikproduzent Jim Stewart ist tot. Mit seinem Label "Stax" prägte er den Funk und Soul wie kaum ein anderer.

Von Jakob Biazza

Bevor es um die ganzen Namen geht, um Otis Redding, Isaac Hayes, Jean Knight, Wilson Picket, Sam & Dave, Rufus Thomas oder Wendy Rene, und um die Millionen von Singles und Alben, die sie verkauft haben, sollte es um den Klang gehen. Und um den genreprägenden Groove. Diesen immer ganz minimal verzogenen, irgendwie überwattigen und trotzdem irre präzisen Sound, den die Künstler des Labels Stax hatten.

Natürlich war der Sound Resultat der brillanten Musiker der Hausband. Er war auch Resultat des Raumes: des ehemaligen Capitol Theatre in Süd-Memphis - die Bühne zum Aufnahmeraum umgebaut, im abfallenden Zuschauerraum die Instrumentalisten. Aber der Sound war auch Resultat von zwei sehr klugen (womöglich auch latent wahnsinnigen) Business-Entscheidungen.

Jim Stewart, der am Montag verstorbene Gründer des Labels, hatte nicht nur eine feste Band etabliert. Er gab dieser Band auch Mitsprache - bei den Arrangements eh, aber auch schon vorher, bei der Auswahl der Songs und der Künstler. Wer je mit einer größeren Gruppe von Musikern zu tun hatte, kann erahnen, wie leicht zu viel Mitsprache da brachial schiefgehen kann.

Stax war eine "Insel der Farbenblindheit" - Freiheit inmitten des Hasses

Genau wie die Zusammensetzung des Kerns der Hausband, Booker T. & The M.G.'s: zwei schwarze Musiker und zwei weiße. Mitten in Memphis, Tennessee, wo in den 60ern noch grausigster Rassismus und Rassentrennung herrschten. Steve Cropper, der Gitarrist der M.G.'s, erzählte in einem Gespräch im vergangenen Jahr, dass Stax' Bedeutung - nicht nur für die Musik, sondern für die amerikanische Kultur an sich - auch damit zu tun hatte, dass die Label-Räume eine "Insel der Farbenblindheit" waren. Freiheit inmitten des Hasses.

Auch das: ein Verdienst von Stewart, 1930 in Middleton, Tennessee, geboren. 1957 gründete er Satellite Records, nachdem er seine Schwester, Estelle Axton, überredet hatte, eine Hypothek auf ihr Haus aufzunehmen. Der spätere Name "Stax" setzte sich aus ihren Nachnamen zusammen.

Zum Tod von Jim Stewart: Das Originalgebäude von Stax wurde abgerissen. Es gibt aber einen Nachbau, der unter anderem ein Museum enthält.

Das Originalgebäude von Stax wurde abgerissen. Es gibt aber einen Nachbau, der unter anderem ein Museum enthält.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Das Label, das den Soul und den Funk prägen sollte, wie sonst wohl nur die großen Konkurrenten bei Motown, spezialisierte sich erst auf Country und Rockabilly (Stewart war selbst Fiddle-Spieler), wurde aber schnell eine Anlaufstelle für die Black-Community. Auch wegen einer weiteren klugen Geschäftsidee: Ein angeschlossener Plattenladen brachte nicht nur das Überbrückungskapital, bis die Hits kamen, "In The Midnight Hour", "Knock On Wood", "Green Onions" und natürlich "(Sittin' On) The Dock of the Bay". Er fungierte auch als frühe Form der Markforschung: Wer kauft was?

Zu den schlechteren Geschäftsentscheidungen Stewarts gehörte es dann, einen Vertrag mit Atlantic Records zu unterschreiben, den er im Vertrauen auf Absprachen angeblich nicht gelesen hatte. Stax verlor deshalb Ende der 60er seinen gesamten Katalog. 1976 ging das Label bankrott. Stewart zog sich aus der Öffentlichkeit zurück. Als er 2002 in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen wurde, schickte er seine Enkelin, um die Ehrungen entgegenzunehmen. Der Komponist und Produzent David Porter, der den Tod Stewarts auf Facebook verkündete, schrieb: "RIP my dear benefactor to American Soul music." Der Wohltäter der amerikanischen Soul-Musik wurde 92 Jahre alt.

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