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"Jim Knopf" von Michael Ende:Das N-Wort muss weg

Heute sind die Abenteuer von Jim und Lukas in 33 Sprachen übersetzt. Nach Angaben des Verlags Thienemann-Esslinger wurden weltweit fünf Millionen Exemplare verkauft. Nicht ganz so viel wie von Otfried Preußlers (1923-2013) "Kleine Hexe", aber vergleichbar mit dessen "Hotzenplotz". Preußler stimmte kurz vor seinem Tod zu, dass in "Die kleine Hexe" das heute als rassistisch geltende Wort "Negerlein" politisch korrekt ersetzt wurde, und stieß damit die Debatte an.

Thienemann-Verlegerin Bärbel Dorweiler zitierte als Antwort auf die Kritik einfach Michael Endes Scheinriesen Tur Tur, der im Buch sagt: "Eine Menge Menschen haben doch irgendwelche besonderen Eigenschaften. Herr Knopf, zum Beispiel, hat eine schwarze Haut. So ist er von Natur aus und dabei ist weiter nichts Seltsames, nicht wahr? Warum soll man nicht schwarz sein? Aber so denken leider die meisten Leute nicht. Wenn sie selber zum Beispiel weiß sind, dann sind sie überzeugt, nur ihre Farbe wäre richtig und haben etwas dagegen, wenn jemand schwarz ist. So unvernünftig sind die Menschen bedauerlicherweise oft."

Ohne erhobenen Zeigefinger, mit großer Unschuld

Das ist als klare Absage an jede Form der Fremdenfeindlichkeit zu verstehen, dennoch wird immer wieder darüber diskutiert, welche Moral die Geschichte hat, welche Botschaft Ende senden wollte. "Keine", ist Verleger Hansjörg Weitbrecht überzeugt. Ende habe einfach eine gute Geschichte erzählen wollen. Den moralischen Zeigefinger habe er geradezu "verabscheut".

Diese Einstellung brachte Ende viel Kritik ein: Weltflucht und schlechter Einfluss auf Kinder wurden seinem Fantasy-Buch vorgehalten. Ende selbst soll mal gesagt haben: "Ich habe die Geschichte damals mit einer großen Unschuld geschrieben. Ich hatte mir überhaupt nichts davon versprochen, hatte das Buch einfach nur mir selbst erzählt."

Mit "Jim Knopf" zeigt Ende Ablehnung gegen Nazi-Gedankengut

Experten sind sich sicher, dass in "Jim Knopf" Michael Endes Ablehnung des Nazi-Gedankenguts erkennbar wird. So darf das finstere Kummerland nur von reinrassigen Drachen betreten werden. Ende sei es mit "Jim Knopf" kongenial gelungen, Kinder und die vorlesenden Erwachsenen gleichermaßen anzusprechen, sagt Bettina Kümmerling-Meibauer, Germanistik-Professorin in Tübingen und Autorin des Lexikons "Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur". Satirisch thematisiere er den Rassismus bei den Drachen oder die Bürokratie bei den Chinesen - "ohne, dass die Kinder ausgeschlossen werden".

Auch wenn Ende Botschaften ablehnte, so stellte er doch dar, wie alle Außenseiter letztlich einen Platz in der Gesellschaft finden könnten.

© SZ.de/dpa/klf/pak/jobr

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