"Jim Knopf" von Michael Ende Das Wort "Neger" bleibt

Einen Anteil am Erfolg von "Jim Knopf" hatten die schwarz-weißen Innenillustrationen von Franz Josef Tripp. Für die Jubiläumsausgabe wurden sie von Illustrator Mathias Weber nun koloriert.

(Foto: dpa)
  • Der Stuttgarter Verlag Thienemann-Esslinger bringt eine Jubiläumsausgabe des Kinderbuchklassikers "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" heraus.
  • In dem Buch wird weiterhin der heute als rassistisch geltende Begriff "Neger" verwendet.
  • Zur Begründung sagte der Verlag: Der verstorbene Autor Michael Ende könne sich nicht mehr äußern, außerdem werde der Begriff nur an einer Stelle des Buches verwendet.

In der Jubiläumsausgabe von Michael Endes Kinderbuch "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" wird weiterhin das heute als rassistisch eingeschätzte Wort "Neger" stehen. Der Stuttgarter Verlag Thienemann-Esslinger habe sich trotz der Diskussionen um veraltete Begriffe in Kinderbüchern entschieden, die Bezeichnung in der kolorierten Ausgabe zum 55. Geburtstages des Kinderbuchklassikers nicht zu ersetzen.

Der Verlag begründete die Entscheidung damit, dass sich Michael Ende (1929-1995) nicht mehr dazu äußern könne und das Wort "Neger" nur in einer Szene vorkomme. Diese Szene diene vor allem dazu, den Fotografen Herrn Ärmel als Besserwisser darzustellen. Als die Bewohner von Lummerland das Postpaket mit dem schwarzen Baby Jim finden, sagt er: "Das dürfte vermutlich ein kleiner Neger sein."

Ein Dutzend Verlage lehnte die Geschichte zunächst ab

Mit der Szene beginnt die Handlung auf der von Ende erdachten Insel Lummerland. Die vier Inselbewohner Frau Waas, Lukas, Herr Ärmel und ihr König finden im Paket den schwarzen Waisenjungen Jim, nehmen ihn liebevoll auf - bekommen aber Probleme, weil für ihn eigentlich kein Platz da ist. Also verlassen Jim Knopf und der Lokomotivführer Lukas die Insel - eine Reise voller Abenteuer beginnt.

"Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" erschien am 9. August vor 55 Jahren und gilt heute als Kinderbuchklassiker. Dabei musste Ende anfangs gehörig kämpfen: Ein Dutzend Verlage lehnte sein 500-Seiten-Manuskript ab. Lotte Weitbrecht vom Thienemann-Verlag in Stuttgart erkannte dann das Potenzial der Geschichten mit dem Scheinriesen Tur Tur, dem frustrierten Halbdrachen Nepomuk, Meerjungfrau Sursulapitschi und der Piratenbande Wilde 13. 1961 erhält Michael Ende den Deutschen Jugendliteraturpreis.