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Jelinek in den Kammerspielen:Geld. Macht. Pleite.

"Eine kommunistische Schriftstellerin bekommt von mir keine Blumen" sagte Jörg Haider über Elfriede Jelinek, jetzt bringt sie ihn posthum auf die Bühne: in einem Stück über die Hypo Alpe Adria.

Vom verstorbenen Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider ist jener Satz über Elfriede Jelinek überliefert: "Eine kommunistische Schriftstellerin bekommt von mir keine Blumen." Das war im Jahr 2004, als die in Wien und München lebende Schriftstellerin mit dem Literaturnobelpreis geehrt wurde. Nun hat Haider mit seinem - nur für das Land Kärnten - segensreichen Wirken beim Verkauf der Hypo Group Alpe Adria (HGAA) große Chancen, posthum zum Bühnenstar zu werden.

Elfriede Jelinek will die Geschichte von Pleiten und Pannen um die ehemalige Tochtergesellschaft der BayernLB und einstige Kärntner Landesbank in einem Theatertext verarbeiten. Ein Kapitel ihres Textes Winterreise wird die Affäre um die Hypo Alpe Adria behandeln. Sie schreibt das Stück für die Münchner Kammerspiele, wo es voraussichtlich im Februar 2011 uraufgeführt werden soll.

Das Kapitel ist mit Ihr Kind ist eine reiche Braut aus dem Schubert-Lied Die Wetterfahne überschrieben. Dem österreichischen Magazin News sagte Jelinek: "Das spielt aufs Schmücken der Braut an. So nennt man es, wenn die Bilanz einer Firma (Bank) aufgehübscht wird, damit sie reicher erscheint, als sie ist, und der Kaufanreiz steigt."

Gut 3,7 Milliarden Euro Steuergeld hat die BayernLB bislang beim Kauf und Verkauf der österreichischen Skandalbank HGAA verbrannt - obwohl Wirtschaftsprüfer vor nicht abschätzbaren Risiken gewarnt hatten. Behörden in Deutschland, Kroatien, Österreich und Liechtenstein ermitteln unter anderem wegen des Verdachts der Untreue. Die Staatsanwaltschaft interessiert sich auch für dubiose Sponsoring-Zahlungen über zwei Millionen Euro für ein Fußballstadion in Klagenfurt. Haider könnte die Zahlung zur Bedingung für den Verkauf der Hypo Alpe Adria gemacht haben.

Elfriede Jelinek, 63, greift in ihren Arbeiten gesellschaftspolitische Themen auf. So hatte die Autorin aus der Steiermark fast tagesaktuell den Meinl-Skandal zum Stück verarbeitet: Im Jahr 2007 waren merkwürdige Transaktionen der Immobilienverwaltungsgesellschaft bekannt geworden, durch die vor allem ältere Menschen ihr Erspartes verloren hatten. Als Grundlagen für ihr Stück hatte Jelinek ein euphorisches Vorwort aus dem Geschäftsbericht der Meinl-Bank genommen. Jelinek sagte damals: "Mich interessiert halt der hohe Ton der Antike in Verbindung mit dieser Kleinkariertheit und Erbärmlichkeit dieser Geschäftemacher, die ja im Grunde sehr banal sind, auch wenn sie Tausende betrügen."

Das Trauerspiel um die krisengeschüttelte Bank dürfte der Schriftstellerin ausreichend Stoff für die Episode in Winterreise liefern. Der Leiter des Rowohlt Theater Verlages, Nils Tabert, kündigte am Mittwoch jedenfalls an: "Es wird mit das Persönlichste sein, was sie jemals geschrieben hat, und es wird unter anderem auch um ihren Vater gehen." Laut News möchte Jelinek das Stück nicht in Österreich auf der Bühne sehen. Die Kammerspiele in München sind sicher der richtige Ort. Gleich auf der anderen Seite der Isar, im bayerischen Landtag, tagt der Untersuchungsausschuss zur Affäre um den Kauf der Hypo Group Alpe Adria - die Dauer ist für ein Jahr angesetzt.

© SZ vom 8.4.2010/kar
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