Jehona Kicajs Romandebüt „ë“ handelt vom Krieg. Vom Krieg, wie er in den menschlichen Körper eindringt, unkontrolliert wie eine gewaltsame Siedlungsbewegung. Und er handelt davon, wie der menschliche Körper zu antworten beginnt, wie er dabei in historisch-reale Gebiete vorstößt. Das mag sich erratisch anhören, man kann es aber an einem zentralen Motiv des Romans leicht verdeutlichen. Die junge, aus Kosovo stammende, in Deutschland lebende Ich-Erzählerin leidet an Kieferschmerzen. Sie sucht einen Zahnarzt auf, der schwere Deformationen an Zähnen, Bändern und Kiefergelenken diagnostiziert, Folgen ständigen Beißens und Knirschens. Er erkennt den psychischen Druck, der im Gebiss wirkt, und hilft ganz praktisch mit einer Beißschiene.
Deutscher BuchpreisDas Ungesagte sitzt in den Nieren
Lesezeit: 4 Min.

Mit seltener Präzision erzählt Jehona Kicaj am Beispiel einer Familie, die aus Kosovo geflohen ist, wie man Vergangenes weiterträgt, auch wenn man nichts davon weiß. Mit diesem Debütroman ist sie jetzt für den Deutschen Buchpreis nominiert.
Von Hubert Winkels
