Jeff Koons in Frankfurt Du bist heilig, aber ich bin nackt

Jeff Koons will sich im Liebieghaus in Frankfurt mit den alten Meistern messen. Wenn aber sein vor Kraft strotzender Hulk mit antiken Statuen konkurriert, zeigt das nur eines: hohle Hybris. Eine Ausstellung, die nur von der Macht des Geldes zeugt.

Von Kia Vahland

Ein Museum für alte Kunst ist das Ergebnis einer jahrhundertelangen Selektion: Hier finden sich jene Objekte, Altäre, Bilder, die nicht nur im Moment ihrer Erschaffung gefielen, sondern die sich im Laufe der Zeit ästhetisch und gedanklich durchgesetzt haben. Was bleibt, sind nicht immer, aber erstaunlich oft Stücke, die Menschen unterschiedlichster Epochen überzeugen - weil die Künstler in ihnen eine allgemeingültige Form für die Probleme und Phänomene ihrer Zeit gefunden haben.

Jeff Koons "Hulk" (2004 bis 2012) könnte  die Hochkultur im Sinne der Pop Art mit Alltäglichem aufmischen. Aber so funktioniert die Ausstellung im Frankfurter Liebighaus nicht.

(Foto: Norbert Miguletz)

So ist es auch im Frankfurter Liebieghaus, dem zauberhaft verwunschenen Skulpturenmuseum am Mainufer. Zu erleben sind in der ständigen Sammlung altägyptische Werke, Buddha-Statuen und einige der besten Holz- und Marmorarbeiten aus der christlichen Geschichte.

Jetzt aber sind sie kaum noch zu sehen, oder erst auf den zweiten Blick, denn im Moment machen sich zwischen den Altmeistern die glitzernden industriellen Plastiken von Jeff Koons breit: sein Schwein, dem ein Junge in den Hintern bläst und sein weißgoldener Michael Jackson mit Äffchen, beide von 1988, sein grün aufgeblasener Kraftprotz "Hulk" (2004 bis 2012) und sein Blütenrelief mit Vögelchen (1991). Das könnte eine erfrischende Provokation sein, könnte die Hochkultur im Sinne der Pop Art mit Alltäglichem aufmischen und beides in neuem Licht zeigen.

Kontrast, Konfrontation, Komik

So aber funktioniert diese Ausstellung nicht, und so sieht sich auch dieser Künstler nicht. Nur in wenigen kurzen Momenten kracht hier amerikanische Popkultur auf europäisches Erbe, etwa, wenn plötzlich mitten im Saal ein Popeye (2009-2011) seine Edelstahl-Muskeln spielen lässt, auf dass der Betrachter sich in ihren glänzenden Oberflächen verzerrt spiegeln kann. Das ist Kontrast, Konfrontation, Komik.

Koons aber will etwas anderes: Er will gleichziehen mit den Altmeistern, sie überspielen, mit ihren eigenen Waffen schlagen. So konkurrieren banale Nackedeis mit versunkenen Madonnen, Pink Panther und Blondine wollen es mit Ariadne aufnehmen, "Hulks" soll auf einen chinesischen Kriegsgott antworten und der Künstler zeigt sich selbst als küssende Rokoko-Büste. Das ist hohle Hybris. Mehr nicht.

Jeff Koons demonstriert, dass er von bleibender Kunst nichts versteht, sie nicht wertschätzt und die besinnlichen Heiligenaltäre und filigranen Elfenbeinschnitzereien natürlich nicht beerben wird. Den Alten hat er nur eins entgegenzusetzen: die Macht des Geldes, das für seine Arbeiten bezahlt wird. Das aber ist kein ästhetisches Argument. Was heute teuer ist, kann morgen als Ramsch aussortiert werden. Genau diese unbestechliche Auswahl zu treffen ist Aufgabe der Museen.

Jeff Koons: The Skulptor, Liebieghaus Frankfurt, bis 23. September.