Die Masse an Schrott, die es immer schon gab, ist dabei nicht das Problem. Oder dass die schamlose Manipulation der Zuschauer nur so selten noch ein Element von Lust enthält.

Das Problem ist, dass dieses rein Gefühlige, das den Mainstream des Kinos und auch seine erfolgreichen Macher umhüllt, sich wieder zunehmend aggressiv gebärdet: Es herrscht ein Terror des Sich-Identifizieren-Müssens, eine Wut, selbst die größten Geschichten in das eigene, streng begrenzte Weltbild zu pressen, sogar ein Hass auf jene, die einfach nur etwas anderes machen wollen.

Es muss jemanden geben, der dem ein fundamentales Nein entgegensetzt. Und der in diesem Nein, über alle Versöhnungsgesten und Eingemeindungsversuche hinweg, unbeirrbar geblieben ist. Und wenn es nur das wäre, was Godard in seinen nun achtzig Lebensjahren geleistet hätte - schon damit wäre ihm die Unsterblichkeit sicher.

Er hat aber sogar noch Anna Karina im Humphrey-Bogart-Trenchcoat gefilmt und die niedliche Art, wie sie einen Detektiv spielt und doch einen Revolver kaum anfassen will; oder Anne Wiazemsky im gelben Sommerkleid, wie sie von einem streng marxistischen Fernsehteam durch einen lichtdurchfluteten Frühlingswald verfolgt wird und auf die komplexesten revolutionären Fragen immer nur "Yes" and "No" antwortet. Und tausend andere, wunderschöne Dinge mehr - und deshalb darf dieser Geburtstag jetzt auch einfach ein heiterer Festtag sein.

Szene aus dem Remake des Godard-Films Außer Atem mit Richard Gere.

Bild: dpa 2. Dezember 2010, 18:012010-12-02 18:01:21 © SZ vom 2.12.2010/kar