Jazz & Pop:Swing mit neuem Schwung

Bigband Dachau

Bunte Mischung: In der Bigband Dachau spielen Anfänger mit Profis zusammen. Essenziell für den Sound sind dabei die beiden Schlagzeuger.

(Foto: Simon Steinhuber)

Die "Bigband Dachau" kreuzt Jazz mit Techno und erobert damit die Clubs

Von Dirk Wagner

Bei der Bigband Dachau wird Tobias Schneider zum Fan. Sie sei ein "musikalisches Aushängeschild der Stadt", sagt der Leiter des Kulturamts Dachau, "mit Konzerten auch weit über die Region hinaus". Initiiert 2010 von dem Trompeter Jörg Hartl, ist das Jazz-Ensemble aus der seit den Fünfzigerjahren aktiven volksmusikalischen Knabenkapelle Dachau hervorgegangen. "Anfangs spielten wir nur die klassische Bigband-Literatur, also Stücke von Count Basie, Duke Ellington und dergleichen", erinnert sich Jan van Meerendonk, einer der Schlagzeuger. Schließlich habe man sich darauf besonnen, dass vor der Akademisierung der Jazzmusik auch Bigband-Sound einmal eine mitreißende Tanzmusik war, die in der Swing-Ära wahrscheinlich zu ähnlichen Exzessen führte wie ein Rave im Techno-Zeitalter. "Also wollten wir als Bigband zurück in die Tanzclubs", sagt van Meerendonk.

Am 18. Oktober 2013 wagte die Bigband Dachau im selbstverwalteten Jugendclub Freiraum Dachau erstmals ihr noch heute gültiges Erfolgs-Rezept: "Bigband meets Disco". Von zwei DJs und entsprechenden Visuals unterstützt, lieferte die Bigband damals zum ersten Mal den Sound, für den sie 2015 in den deutschen Pavillon auf der Weltausstellung in Mailand geladen wurde. Kurz darauf ging die Formation auf Italien-Tournee. Anschließend erhielt sie beim Bayerischen Landeswettbewerb "Jugend jazzt" in der Musikakademie Marktoberdorf die höchstmögliche Bewertung: "mit hervorragendem Erfolg teilgenommen". "Das Ensemble spielt auf einem sehr hohen Niveau, wobei die Musiker deutlich freier als in den üblichen Bigband-Arrangements agieren", begründet Willi Staud, der organisatorische Leiter des Landes-Jugendjazzorchesters und von "Jugend jazzt Bayern", rückblickend das Urteil der damaligen Jury: "Vor allem aber hat uns beeindruckt, dass sie ihre Musik weniger an die Swing-Ära - wie sonst bei Bigbands üblich - als vielmehr an eine zeitgenössische Popmusik angelegt haben."

Der Schlagzeug-Held Pete York freut sich über die Belebung des Bigband-Sounds

Solche Aufbereitung von zeitgenössischer Popmusik ist unter anderem dem Umstand geschuldet, dass ihr Pianist Tom Jahn alias Tom Tornado schon in diversen Techno-Live-Bands mitgewirkt hat. Zudem schrieb er zusammen mit dem Bandleader Jörg Hartl, der 2013 auch als Trompeter bei La Brass Banda einstieg, Arrangements für andere Popmusiker. Das notwendige Talent, dabei den Schwierigkeitsgrad der Arrangements den Fähigkeiten der Musiker anzupassen, diente letztlich auch der Bigband Dachau, in der Anfänger zusammen mit erfahreneren Musikern spielen. Oder wie es der aus Nashville stammende Sänger JJ Jones beschreibt: "Es ist eine bunte Mischung von Anfängern und sehr professionellen Musikern. Der begabte Dirigent und Arrangeur Tom Jahn macht alles möglich mit seiner Offenheit und seinem Talent."

Kennengelernt hatte JJ Jones die Gruppe 2013 in seiner eigenen Veranstaltung "Same Old Song". Einen Abend lang spielten damals in der Milla verschiedene Musiker unterschiedliche Versionen des bekannten Ohrwurms "The Final Countdown" von der Band Europe. "Das war eine Hammerversion, die die Bigband Dachau lieferte. Mit viel Energie und Improvisation. Ich wollte sofort mit der Band arbeiten", sagt JJ Jones, der kurz darauf die Gelegenheit wahrnahm, deren erkrankten Sänger Mario Schönhofer zu ersetzen. Seitdem hat die bis zu dreißig Musiker beschäftigende Bigband zwei Sänger. "Weil nicht immer alle Musiker Zeit haben, treten wir aber auch in unterschiedlich starken Besetzungen auf", erzählt Jan van Meerendonk, der allerdings die Schlagzeugdoppelung im Ensemble als unverzichtbares Element des mittlerweile auch auf zwei CDs konservierten Sounds der Bigband sieht: "Wobei jeder Schlagzeuger natürlich etwas anderes als der andere spielt. Zu zweit basteln wir Rhythmen, die man alleine gar nicht hinbekommt."

Kein Wunder also, dass selbst die Schlagzeuger-Legende Pete York in einem Video der Band für deren im April erschienenes Album "Der verdammte Beat" wirbt. Als jemand, der sich seit mehr als fünfzig Jahren auch mit Bigbands beschäftigt, freut es den Engländer ganz besonders, dass nunmehr junge Musiker den Bigband-Sound neu beleben.

Bigband Dachau feat. JJ Jones, Donnerstag, 29. Dezember, 20.30 Uhr, Milla, Holzstraße 28

© SZ vom 29.12.2016
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