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Japanische Künstlerin verhaftet:Zu intim für die Kunst

Für Megumi Igarashi ist das Vagina-Kajak Kunst, für die japanische Polizei eine Obszönität.

(Foto: AFP)

Megumi Igarashi wollte in Japan ein Zeichen gegen die Tabuisierung des weiblichen Geschlechtsorgans setzen. Doch weil sie ein Kajak in Form einer Vagina anfertigen ließ, sitzt die Künstlerin nun im Gefängnis - sie soll "obszönes Material" verbreitet haben.

Eigentlich hatte die Japanerin Megumi Igarashi ehrenvolle Absichten. Die Künstlerin, bekannt unter dem Pseudonym "Rokude Nashiko", wollte ein Zeichen gegen die Tabuisierung von weiblichen Geschlechtsteilen setzen, da diese in ihrer Heimat immer noch "übermäßig versteckt" würden.

Für diese Mission ließ die 42-Jährige, die neben verschiedenen Skulpturen auch Manga-Zeichnungen anfertigt, ein Kajak bauen, dessen ihrer eigenen Vagina nachempfunden ist. Finanzielle Unterstützung erhielt sie dabei durch eine Crowdfunding-Kampagne, für die sie ihr Projekt in einem Video bewarb.

Verbreitung "obszöner Abbildungen"

Dass Igarashi für ihren Appell gegen die Sittenstrenge Aufnahmen ihres Geschlechtsteils online verschickte, um einen 3D-Druck anfertigen zu lassen, rief laut CNN jedoch die japanischen Behörden auf den Plan.

Die Polizei verhaftete die Künstlerin am 12. Juli in Tokio, da die geteilten Daten, dreidimensional gedruckt, als Verbreitung von "obszönem Material" eingestuft wurden - ein Verstoß, der in Japan strafbar ist. Auch das Verschicken der unzensierten Aufnahmen echter Genitalien verstößt bereits gegen das Gesetz.

Igarashi, die sich mit ihrem Werk für ein gelockertes Verhältnis zum weiblichen Intimbereich aussprach, sitzt nun seit sechs Tagen im Gefängnis und wird noch immer von der Polizei befragt. Mehr als 17 000 Menschen unterzeichneten seitdem eine Online-Petition für die Freilassung der Künstlerin, die die Anschuldigungen abstreitet. Sie sei nicht der Meinung, dass es sich bei ihrer Kunst um eine "Obszönität" handle.

Inspiriert von der weiblichen Anatomie

Schon vor der Idee zu ihrem Vagina-Kajak stellte die Japanerin eine Reihe von Gegenständen aus, die von der weiblichen Anatomie inspiriert waren. Zu ihren Arbeiten gehörten Handy-Hüllen in Form einer Vagina, sowie eine Serie ungewöhnlicher Dioramas. Anstoß für diese Werke gab für Igarashi auch der Umstand, dass die Abbildung des männlichen Genitals als Teil der Pop-Kultur in der japanischen Gesellschaft toleriert werde, das weibliche Geschlechtsorgan jedoch vollkommen tabuisiert werde und praktisch nicht existiere.

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Bunte Pappaufsteller, bedruckte T-Shirts und das Vagina-Kajak: Megumi Igarashi möchte das weibliche Geschlechtsorgan von seiner Tabuisierung befreien.

(Foto: Homepage von Megumi Igarashi)

Sollte die Künstlerin in Untersuchungshaft nun aufgrund ihres jüngsten Projekts verurteilt werden, drohen ihr im schlimmsten Fall zwei Jahre Gefängnis oder eine Geldbuße in Höhe von 2,5 Millionen Yen (umgerechnet etwa 18 000 Euro).

© SZ.de/nema/mkoh
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