„Gute Ratschläge“ von Jane Gardam:Apokalypse in der Vorstadt

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Gepflegter Vorgarten, chaotisches Inneres: Hinter den Türen des Hauses in der Londoner Vorstadt kämpft die Erzählerin mit ihrem Hausfrauendasein. (Foto: IMAGO/Panthermedia)

In „Gute Ratschläge“ erzählt Jane Gardam meisterhaft vom Nervenzusammenbruch einer Diplomatengattin.

Von Kathleen Hildebrand

Dieser Briefroman beginnt mit Briefen, die man selbst auf gar keinen Fall geschickt bekommen möchte. Eliza Peabody schreibt sie ihrer Nachbarin Joan, die so etwas wie das schwarze Schaf der Nachbarschaft in der wohlhabenden Rathbone Road im Süden Londons ist. Joan zeigt nämlich einen gewissen Unwillen bei der Verrichtung ihrer repräsentativen, hausfraulichen und mütterlichen Pflichten. Wenn Joan aus der Haustür zu ihrem Auto eilt, wirkt es immer einen Tick zu eilig, wie befreit schlägt sie die Autotür hinter sich zu und rast davon. Es sind Kleinigkeiten. Aber sie werden von Eliza und den anderen Ehefrauen der Rathbone Road als das interpretiert, was sie höchstwahrscheinlich sind: kleine Gesten der Verachtung für diese geordnete Welt, in der die exakt beschnittenen Hecken so „stiff“ sind wie die „upper lip“ der Bewohner dahinter.

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