Der Holocaust-Überlebende Artur Brauner finanzierte 1947 einen Film über die Flucht todgeweihter KZ-Häftlinge, doch „Morituri“ wollte niemand sehen, der Film galt, obwohl sogar ein geläuterter Wehrmachtssoldat auftrat, als „anti-deutsch“. Die Währungsreform, der Wiederaufbau, der Koreakrieg – alles war wichtiger als der Blick zurück in die jüngste Vergangenheit. Brauner büßte seine Fehlkalkulation mit den geschätzt fünfhundertzwei Schrottfilmen, die er danach produzierte. Fast fünfzig Jahre später gelang Steven Spielberg mit „Schindlers Liste“ das Unwahrscheinliche: ein Film über den Holocaust mit Happy End, der auch noch ein beispielloser Erfolg wurde, Oscars und Schulstoff inklusive.
ErinnerungskulturNoch nicht mal mehr verdrängt
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In der Nachkriegszeit herrschte Schweigen über die Vernichtung der Juden, jetzt rückt sie in historische Ferne. Der Politikwissenschaftler Jan Gerber fragt, was geschehen musste, damit die Deutschen sich mit der Shoah auseinandersetzen.
Von Willi Winkler
