Gesellschaft und Gesinnung:Wehe dem, der anders denkt

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"Ach, die Feuilletons": Jan Böhmermann. (Foto: Ben Knabe/ZDF)

Hans-Georg Maaßen forderte einst einen Charaktertest für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, Jan Böhmermann hält jetzt eine gesellschaftliche Qualitätskontrolle für richtig. Über die neuen, diesmal linken Reinheitsfantasien.

Von Hilmar Klute

Im Frühjahr 1982 schrieb Karl Heinz Bohrer in der FAZ einen Artikel, den er selbst gerne "Falkland oder die Mainzelmännchen" genannt hätte. Für die Nachgeborenen: In jenem Jahr besetzten argentinische Truppen die britischen Falklandinseln, die von Argentinien seit langer Zeit als eigenes Territorium beansprucht wurden. Bohrer wollte in seinem Aufsatz keineswegs den harten Kriegskurs der damaligen Premierministerin Margaret Thatcher, die mit Kriegsschiffen und Militärflugzeugen auf die Invasion reagiert hatte, verteidigen. Der große Literaturforscher und Romantiker hatte den Text vor allem seinen lieben Deutschen vor den Latz knallen wollen, weil er ihre ehrpusselige Make-love-not-war-Säuselei so schlecht ertrug und die deutsche Sehnsucht, "von den Gefahren der Welt abgeschirmt zu leben", lächerlich fand. Der Text erschien dann auch - allerdings unter dem augenzwinkernden Rubrum "Polemik". Natürlich ging der Vorhang zum Empörungstheater damals schon so sperrangelweit auf wie heute. Als Bohrer kurz darauf seine Bewerbungsvorlesung an der Universität Bielefeld halten wollte, sagte ihm ein bierdosenhaltender linker Literaturhistoriker, Mitglied der Berufungskommission: "Du kriegst hier heute keinen Stich!"

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