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James Franco und die Kunst:Nacktszenen mit Gummipenis

James nimmt jetzt im rechten Eames Chair Platz, der linke ist für den Kunstprofessor im schwarzen Rolli reserviert. James kommt verkleidet als junger Wilder. Als Dennis Hopper, als James Dean, als Projektionsfläche für den Rebell 2012. Er trägt ein schwarz-rotes Cowboyhemd, Jeans, Schuhe mit Farbflecken, die von der Arbeit im Atelier erzählen. Sein Haar wirkt ein bischen fettig, die Haut blass. Haare und Haut möchte man nicht anfassen. Ein paar Runden am Strand wären angebracht. Die Augen auf Halbmast. So müde, der James.

Hier sitzt also James Franco als Künstler. James arbeitet hart an seiner Rolle. Gerade hat er mit Seth Rogan einen Film gedreht, in dem er selbst "den Künstler James Franco" spielt. "Einen irrationalen Deppen mit einem Riesenego", erklärt er und schaut auf seine Schuhe mit den Farbflecken.

Worüber will er heute reden? Die Stirnfalte wird deutlicher, die Hand fährt übers Gesicht. Der Blick sagt: Wo bin ich? Wie viel Uhr ist es? Superkünstlerpose. Es geht um James Francos Buch "The Dangerous Book Four Boys", basierend auf Francos Kurzfilm. Darüber will er sprechen. Der Film heißt "Dicknose in Paris". Dazu erzählt der Künstler James eine Geschichte.

Er drehte den Film "Milk" mit Sean Penn. Als Penns Boyfriend musste Franco für bestimmte Nacktszenen einen Gummipenis tragen. Nach dem Dreh lag der Penis herum und James nahm ihn mit nach Hause. Dann kam die Idee für den Film. James setzte sich den Penis mitten ins Gesicht und erfand eine neue, merkwürdige Figur, die mit zwei Freunden nach Paris fährt. Der eine Freund heißt Faulkner, so wie James Francos Lieblingsschriftsteller. In diesem merkwürdigen Werk steckt alles drin, was Franco am Herzen liegt: Verzerrung der glamourösen Welt, der Amerikaner in Paris, der junge Mann, der Künstler sein will, seinen ideologischen Vater sucht und seinen echten gerne los wäre.

An der Oberfläche von Hollywood kratzen

James Francos Publikum hört jetzt genau zu. Klar, die Penisgeschichte ist lustig, aber darum geht es gar nicht so. Hier sitzt ein Hollywood-Typ, der keinen Scientology-Mist erzählt. Oder predigt, man müsse nur durchhalten und Vegetarier sein, um ein Filmstar zu werden. Er empfiehlt stattdessen das Ausprobieren von Identitäten, von Rollen, etwas, das auf "jeder Facebookseite ohnehin schon geschieht. Und das zurecht." James Francos Publikum wirkt zufrieden. Es mochte seinen merkwürdigen Film, seinen Aufruf sich nicht sofort festzulegen, und es spitzt die Ohren, als er von der kommenden "Rebel"-Ausstellung erzählt. Da wird es um Sex gehen. Zumindest um das, was aus dem Sex entstanden ist.

Regisseur Nicholas Ray hatte bei den Dreharbeiten von "Denn sie wissen nicht, was sie tun" eine Affäre mit der damals 16-jährigen Natalie Wood. Dennis Hopper auch. "Mich interessiert, was da genau passierte. Und wo. Ray wohnte im Bungalow Zwei des Chateau Marmont. Dort traf er sich mit Natalie. Und jede Nacht kam James Dean vorbei, der ein riesiges Vaterproblem hatte und eine Autorität suchte." James Franco ist ganz aufgeregt, wenn er von Dean und Hopper spricht. Ein gutes Zeichen.

Es war ein guter Franco-Nachmittag. James hatte erfolgreich an der Oberfläche seiner Stadt Hollywood gekratzt und sie dennoch ganz offensichtlich geliebt. Das Lächeln bei der Buch-Signierstunden erinnerte dann wieder an die Gucci-Ikone im Smoking, direkt über dem Chateau Marmont. Von dort wacht James Franco derzeit über die Zukunft der Unterhaltung.

© SZ vom 17.04.2012/mapo/rus
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