Je mehr das iranische Regime seit Beginn der Bombardierungen durch Israel und die USA unter Druck gerät, desto härter agiert es gegen seine Kritiker. Die Aufrufe internationaler Filmfestivals, nicht gegen Künstler vorzugehen, finden kaum noch Gehör. Bestes Beispiel: Jafar Panahi. Ein Revolutionsgericht in Teheran hat eine einjährige Haftstrafe gegen den Filmemacher bestätigt. Im Dezember vergangenen Jahres war Panahi in Abwesenheit wegen „Propaganda gegen das Regime“ verurteilt worden.
Panahi war nach der Oscarverleihung, bei der sein Film „Ein einfacher Unfall“ nominiert war, nach Teheran zurückgekehrt. Dort wurde die Anklage vom vergangenen Jahr nun neu verhandelt. Außer der Haftstrafe wurde ein zweijähriges Reiseverbot gegen Panahi verhängt, sagte sein Anwalt der iranischen Nachrichtenagentur Emtedad. Außerdem dürfe er keiner politischen Vereinigung beitreten. Eine Berufung ist noch möglich.
In der Anklage hatte es unter anderem geheißen, Panahi habe Proteste unterstützt und ein Video gepostet, das sich gegen die Todesstrafe richtet. Außerdem wurde ihm Regimekritik durch den Film „Ein einfacher Unfall“ vorgeworfen, den er heimlich gedreht hat. In dem Film geht es um mehrere ehemalige politische Gefangene, die einen Mann entführen, den sie für den Folterknecht aus ihrer eigenen Haft halten. Es entspinnt sich daraus eine Diskussion über Rache und darüber, wohin Rache letztlich führt: Die Leute in der Gruppe beginnen sich zu fragen, ob sie sich genauso verhalten sollten wie das Regime, das sie verfolgt.
Zuletzt saß Panahi im berüchtigten iranischen Evin-Gefängnis in Haft
Für „Ein einfacher Unfall“ hatte Panahi im Mai 2025 in Cannes die Goldene Palme bekommen, danach war er bei mehreren westlichen Filmfestivals. Frankreich hatte den Film für die Oscars 2026 eingereicht. Ins Exil zu gehen kam, obwohl er ja bereits im Ausland war, für Panahi nicht infrage. Kurz nach den Oscars, Ende März, kehrte er nach Iran zurück. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Krieg längst begonnen.
Panahi ist in den vergangenen zwanzig Jahren bereits mehrere Male verhaftet und verurteilt worden, zuletzt war er 2023 im berüchtigten Gefängnis Evin in Haft. Diese Zeit und die Gespräche mit anderen politischen Häftlingen, so erzählte er im Interview, seien die Inspiration gewesen für „Ein einfacher Unfall“. Der Film, so Panahi, spiegele genau jene Debatten, die Iraner untereinander führen.
Jafar Panahi gehört zu den renommiertesten iranischen Regisseuren. Angefangen hat er als Regieassistent des legendären Filmemachers Abbas Kiarostami („Der Geschmack der Kirsche“). Panahi, 1962 geboren, verwendete auch ein Drehbuch von Kiarostami für seinen ersten Spielfilm, „Der weiße Ballon“, der 1995 bei den Filmfestspielen in Cannes mit der Caméra d’or für das beste Debüt ausgezeichnet wurde. Panahi hat inzwischen auch den Goldenen Löwen in Venedig (2000, für „Der Kreis“) und den Goldenen Bären bei der Berlinale gewonnen (2015, für „Taxi Teheran“).
Seine Vorgeschichte mit der iranischen Justiz ist so lang wie die Liste seiner Auszeichnungen. Schon 2010 war er zu einer Haftstrafe verurteilt worden, die er aber vorwiegend im Hausarrest absaß. Außerdem verhängte das Gericht ein Berufsverbot. Panahi drehte trotzdem weiter, „Dies ist kein Film“ lief in Cananes, in der Dokufiktion „Taxi Teheran“ sitzt er selbst am Steuer und diskutiert mit seinen Fahrgästen, auch über die Justiz, unter anderem steigt auch die international renommierte Anwältin und Menschenrechtsaktivistin Nasrin Sotudeh bei ihm ein.
Der iranische Filmjournalist Mansour Jahani hat über die Verurteilung berichtet, und er scheint von der Beweisführung nicht besonders beeindruckt gewesen zu sein: „Man muss einen wichtigen Punkt betonen: Der Text der Anklage und das Urteil selbst zeigen, dass Jafar Panahi keiner besonderen politischen Bewegung, Partei und keinem Spektrum angehört“, schrieb Jahani. „Die Liste der Anklagepunkte beinhaltet Unterstützung für individuelle Personen und Standpunkte.“
Panahi hatte im Verlauf des vergangenen Jahres mehrfach beteuert, dass er nach Iran zurückkehren werde. „Ich war immer außerhalb des Systems“, sagte Panahi im Dezember im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. „Das ist so, wenn man Filme macht, die inspiriert sind von der Gesellschaft. Man ist unabhängig. Und das bedeutet auch, dass man nicht den Geschmack eines anderen bedient.“


