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"Jäger" von James Salter:Mörder der Lüfte

Im Elite-Geschwader zählt jeder Abschuss.

F-86-Sabre-Kampfjets der US Air Force im Einsatz während des Koreakrieges. Auch Autor James Salter hat hier gekämpft.

(Foto: AFP)

James Salter war Kampfpilot der US Air Force, bevor er Schriftsteller wurde. Der Kriegsroman "Jäger" basiert auf seinen Erlebnissen im Koreakrieg. Das Heldenpathos ist schwer zu ertragen, trotzdem fasziniert die Geburt eines großen Autors.

Von Christopher Schmidt

Es war der Erste Weltkrieg, der einen neuen Heldentypus hervorbrachte, den Jagdflieger, dessen tollkühnste Vertreter bald wie Halbgötter verehrt wurden. Auf sie ging das elitäre Selbstverständnis über, das vormals der Kavallerie vorbehalten gewesen war. Scharenweise meldeten sich seinerzeit Offiziere der Reiterei, vor allem aus den legendären Ulanenregimentern zur Fliegerei. Nachdem die Kavallerie im modernen, maschinell geführten Krieg ihre Bedeutung als Offensivkraft eingebüßt hatte, witterten sie hier die Chance, Ruhm und Ehre zu erwerben.

Einzig in der Luft schien die archaische Situation des Turniers, des Zweikampfs auf Leben und Tod zu überdauern. Denn im Luftkampf ließ sich militärischer Erfolg noch individuell messen, anhand der Zahl abgeschossener gegnerischer Flugzeuge. Dabei war es nicht unwichtig, den Feind möglichst hinter den eigenen Linien zum Absturz zu bringen, damit der Abschuss unzweifelhaft festgestellt werden konnte.

Die Eindeutigkeit des Treffers, sie spielt auch in James Salters Roman "Jäger" aus dem Jahr 1957 eine zentrale Rolle im Handlungsverlauf. Zwar verfügten die F-86-Jets im Koreakrieg bereits über eingebaute Filmkameras, wichtiger war es jedoch, einen Zeugen für den Abschuss zu haben; in der Regel war dies der zweite Pilot aus dem element, dem Flugzeug-Paar, das aus leader und wingman bestand. Wie in den Anfängen waren auch die Maschinen in Korea allein mit Maschinengewehren bewaffnet, Raketen gab es noch nicht, und die Munition reichte nur für ein Feuergefecht von maximal elf Sekunden.

Kampfpiloten kämpfen nicht

Dass sich am Selbstbild der Kampfpiloten seit dem Ersten Weltkrieg nicht viel geändert hat, geht aus dem Vorwort des Autors für die überarbeitete amerikanische Neuausgabe hervor. "Kampfpiloten kämpfen nicht", schreibt Salter, "sie morden", und das ist alles andere als selbstkritisch gemeint. Salter hat selbst zwölf Jahre bei der Air Force gedient, über 100 Einsätze flog er in Korea und schoss 1952 eine russische MiG-15 ab. Diese Erlebnisse sind eingeflossen in seinen ersten Roman, der 1958 mit Robert Mitchum und Robert Wagner verfilmt worden ist und erst jetzt auf Deutsch erscheint - im Schlepp seines großen Alterswerks "Alles was ist", das dem fast Neunzigjährigen 2013 endlich zu der Anerkennung verhalf, die seinem literarischen Rang entspricht.

Und doch, so schreibt er im Vorwort, erfülle ihn keines der Bücher, die er veröffentlicht hat, mit ähnlichem Stolz wie die Tatsache, "am Yalu geflogen zu sein". Im Buch klingt das dann so: "Das nennt man wohl Krieg. Du schießt auf sie, sie schießen auf dich", sagt Cleve. Und sein Kamerad erwidert: "Genau so ist es. Was könnte gerechter sein?" Darauf Cleve: "Nichts."

Cleve Connell ist 31 Jahre alt, als er als Schwarmführer zu einem Elite-Geschwader in Korea stößt. Für die jungen Piloten ist er fast schon ein "richtiger Opa", seine Tage im Einsatz sind gezählt. Und er will sich noch etwas beweisen: "Er war nicht gekommen, um nur zu überleben. Und mit einem Mal spürte er einen inneren Auftrieb, der ihn weit über jene hob, die nichts anderes wollten und auf einer tieferen Ebene des Strebens lebten." Doch Cleve hat Pech. So oft er auch aufsteigt, nie wird er in einen Kampf verwickelt; mit der Zeit sinkt die Achtung, die er im Geschwader genießt, und auch seine Achtung vor sich selbst.

Heldenmut und ritterliche Ideale

Dabei hat es Cleve mit gleich zwei Feinden zu tun. Sein äußerer Feind, das ist die sowjetische Fliegerlegende mit den schwarzen Streifen auf der Maschine, genannt Casey Jones, ein mächtiger "Engel", der herabsteigt, um Cleves Mut auf die Probe zu stellen. Der andere aber, der innere Feind, das ist der ehrgeizige junge Pell, der skrupellos die Erfolge einheimst, die eigentlich Cleve zustehen.

"Jäger" ist eine klassische Geschichte über Heldenmut und soldatische Bewährung, vor allem aber über ritterliche Ideale, die wichtiger sind als Erfolge. "Es gab nichts Belangloses mehr, an das er glaubte, nur einen hartnäckigen Rest von Werten, kostbarer als eine Handvoll Diamanten." Das ungebrochene Heldenpathos, die romantische Verherrlichung des Krieges als "mystische Erfüllung" und äußerste Steigerung des Lebensgefühls in diesem Roman ist schwer zu ertragen - und gewiss ein Grund, weshalb das Buch erst jetzt, mit einer Verspätung von einem halben Jahrhundert auf Deutsch erscheint.

Die russischen MiGs, sie sind hier "anonym wie Insekten", nur dazu da, sich in einen roten Stern am Flugzeug des Piloten zu verwandeln, direkt unter das Cockpit gemalt, etwas, das man sich "holt". Und wer fünf "Kills", fünf Sterne zusammen hat, gilt als Fliegerass. Den Krieg schildert Salter als eine Art Ballerspiel, bei dem es um den Highscore geht. Unter den eigenen Leuten gibt es die hungrigen jungen Piloten, die ihrem ersten Einsatz entgegenfiebern - ein Fieber, "bedrohlich wie geschmolzenes Blei" - und den alten Kämpfer, der sich danach sehnt, seine 100 Einsätze lebend zu überstehen, bevor er nach Hause zu Frau und Kindern darf, und der dafür verachtet wird.

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