KinoDie Grenze zwischen Dummheit und Tapferkeit bleibt schmal

Lesezeit: 3 Min.

Johnny Knoxvilles Karriere begann, als er sich mit einem Revolver selbst auf die Brust schoss, um eine kugelsichere Weste zu testen. Hält er für eine seiner dümmsten Aktionen.
Johnny Knoxvilles Karriere begann, als er sich mit einem Revolver selbst auf die Brust schoss, um eine kugelsichere Weste zu testen. Hält er für eine seiner dümmsten Aktionen. Imago/Paramount Pictures/Zuma Press
  • Nach 25 Jahren endet das „Jackass"-Franchise mit „Jackass: Einer geht noch", da die Protagonisten körperlich an ihre Grenzen gestoßen sind.
  • Der neue Film funktioniert als Mixtape aus Greatest Hits, zensierten Outtakes und neuen Stunts und wirft einen Blick zurück auf die Geschichte.
  • Aus der anarchischen MTV-Show von 2000 wurde ein erfolgreiches Kino-Franchise, das angesichts von Social Media liebenswert anachronistisch wirkt.
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Seit 25 Jahren verstümmeln sich Johnny Knoxville und seine Kumpels für „Jackass“. Aus der Anarchie von einst ist längst ein Franchise geworden – das nun wohl wirklich endet. Ein Abschied.

Von Sofia Glasl

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Tränen gibt es am Set von „Jackass“ zwar täglich, doch meistens vor Lachen. Was verwundert. So oft, wie Johnny Knoxville und seine Truppe aus ungelernten Stuntmen sich mutwillig von Profisportlerinnen mit Baseball-Pitches, Tennisaufschlägen oder Bowlingwürfen haben beschießen lassen, sich gegenseitig mit immer neuen Apparaturen die Genitalien malträtierten oder die brutalsten Stunts aus „Tom und Jerry“ oder den „Looney Tunes“ nachstellten – sie hätten ausreichend Grund, um vor Schmerzen zu heulen. Doch die Lust am Scheitern ist bei „Jackass“ Teil des Konzepts. Je schiefer eine Aktion geht, desto lauter brüllen alle vor Lachen, vor und hinter der Kamera.

Am letzten Drehtag des Films „Jackass: Einer geht noch“ wird Johnny Knoxville dann aber doch ein bisschen sentimental. Dem Kopf der Jackass-Truppe geht auf, dass es nach mehr als 25 Jahren wirklich vorbei ist. Zwar haben er, Regisseur Jeff Tremaine und Produzent Spike Jonze nach jedem der bisher vier Filme behauptet, das sei es nun gewesen, doch diesmal könnte es wirklich stimmen.

Die vielen verunglückten Stunts haben bei ihnen allen Spuren hinterlassen, und nach unzähligen selbstinduzierten Knochenbrüchen, Gehirnerschütterungen und Bandscheibenvorfällen ist es eben nicht mehr so einfach, sich noch mal als Zauberer verkleidet mit einem wütenden Bullen in den Ring zu begeben.

Der Hinweis „Machen Sie diese Stunts niemals zu Hause nach“ hält natürlich nicht 100 Prozent des Publikums davon ab

Seit im Jahr 2000 die erste Folge auf MTV lief, sind die Protagonisten von „Jackass“ Stars geworden. Die Show entstand jedoch eher zufällig: Jeff Tremaine war damals Redakteur des Skate-Magazin Big Brother und hatte Knoxville mit einem Artikel zum Thema Selbstverteidigung beauftragt. Der zog mit einer Kamera los und probierte in einem Selbstversuch Pfefferspray, einen Taser und eine kugelsichere Weste aus. Dafür schoss er sich mit einem Revolver selbst auf die Brust. Auch heute sagt er, das sei eine der dümmsten Aktionen, die er je gemacht habe. Tremaine ging trotzdem mit dem Videomaterial zu seinem Jugendfreund, dem Filmemacher Spike Jonze. „Jackass“ war geboren.

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Diese Entstehungsgeschichte erzählen sie nun auch in „Jackass: Einer geht noch“. Der Film funktioniert wie gehabt als Aneinanderreihung von Sketchen und Interviewpassagen vor und nach den eigentlichen Stunts. Er wirft diesmal aber auch einen Blick zurück in die Geschichte des Franchise. Entstanden ist eine Art Mixtape aus Greatest Hits, zensierten Outtakes und neuen Stunts.

Bei dieser Revue aus grobem Unfug wird deutlich, weshalb die Show schon innerhalb kürzester Zeit auf einen Late-Night-Slot gelegt werden musste. Der Sicherheitshinweis „Machen Sie diese Stunts niemals zu Hause nach“ hält natürlich nicht 100 Prozent des Publikums davon ab, genau das zu tun. Die Produktionsfirma versuchte, immer weiter einzugreifen, Knoxville warf nach Staffel drei das Handtuch, und die Sache schien beendet.

Liebgewonnenes, ewig gültiges Motto „Alles ist lustiger, wenn man es nackt macht.“

Dass die Sketche auch im Kino funktionieren würden, daran glaubte Jeff Tremaine erst mal nicht. Doch ein Film ohne Jugendfreigabe versprach mehr Narrenfreiheit. Aus der anarchischen, mit wackeligen Handkameras gefilmten Fernsehshow wurde ein erfolgreiches Franchise. Das Konzept blieb über die Jahre immer gleich: Gelangweilte Vorstadt-Kids machen immer noch mehr Scheiß, um über sich selbst zu lachen. Die Grenze zwischen Dummheit und Tapferkeit sei schmal, sagte Knoxville in der zweiten Staffel. Kurz danach schleicht sein Kumpel Chris Pontius sich im Hasenkostüm an einen abgerichteten Wachhund an.

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Brachialhumor, das schon. Dazu das liebgewonnene, ewig gültige Motto „Alles ist lustiger, wenn man es nackt macht.“ Ausgerechnet das brachte aber nun diesen wunderbaren Nebeneffekt: Beinahe zufällig wurden ein paar der Protagonisten durch ihren schambefreiten Umgang mit dem eigenen Körper zu Ikonen von queeren Communitys und zu Vorbildern der Body Positivity. Nach einem Vierteljahrhundert haben jetzt nicht nur ihre Körper ihre natürlichen Grenzen erreicht. Angesichts von Youtube und Social Media wirkt diese Revue beinahe anachronistisch, aber dabei nicht weniger liebenswert.

Jackass: Einer geht noch, USA 2026. Regie und Buch: Jeff Tremaine – Kamera: Dimitry Elyashkevich – Mit: Johnny Knoxville, Steve-O, Chris Pontius, Jason Acuña, Dave England, Ehren McGhehey, Preston Lacy, Rachel Wolfson, Jasper Compston Wilson, Sean McInerney, Zach Holmes. Paramount Pictures, 92 Minuten. Kinostart: 25. Juni 2026.

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