Zum Tod von Ivan Reitman:Wie komisch jeder ist

Lesezeit: 2 min

Zum Tod von Ivan Reitman: Meister der Comedy: Regisseur Ivan Reitman.

Meister der Comedy: Regisseur Ivan Reitman.

(Foto: Robyn Beck/AFP)

"Ghostbusters"-Regisseur Ivan Reitman ist im Alter von 75 Jahren gestorben. Er war einer der besten Komödienmacher Hollywoods.

Von David Steinitz

Ivan Reitmans Leben begann weit weg vom Glamour Hollywoods. Der spätere Star-Regisseur wurde 1946 in Komárno in der ehemaligen Tschechoslowakei geboren. Seine Mutter hatte das Konzentrationslager Auschwitz überlebt, sein Vater hatte im Widerstand gegen die Nazis gekämpft. Weil dem Vater eine große Essigfabrik gehörte, wurden die Zeiten für die jüdische Familie Reitman auch nach dem Zweiten Weltkrieg nicht leichter. Denn nachdem die Nazis besiegt waren, nahmen die Kommunisten alle Kapitalisten des Landes ins Visier - und zu denen gehörte Reitman senior eindeutig. Als Ivan vier Jahre alt war, floh die Familie erst nach Wien und verließ dann ganz den Kontinent, um nach Kanada zu emigrieren, wo sie bei einem Verwandten in Toronto unterkamen.

Der junge Ivan entwickelte schon als Kind eine große Leidenschaft für die Kunst des Entertainments. Er machte Puppentheater für die Familie, trat im Sommercamp als Alleinunterhalter auf, tingelte später mit einer Folk-Band durch Bars und Kaffeehäuser. Nach der Schule studierte er an der McMaster-Universität in Hamilton Musik und Theater und drehte erste Kurzfilme.

Bei ihrem ersten Treffen wollte Bill Murray ihn mit seinem Schal erwürgen

Einer seiner ersten Langfilme war die Horrorkomödie "Cannibal Girls", 1973. Ein astreines B-Picture, das vom legendären Trashfilmproduzenten Samuel Z. Arkoff für den Verleih gekauft wurde und sogar ein bisschen Geld abwarf. Schon als junger Mann spielte Reitman gekonnt eins seiner wichtigsten Talente aus: Er hatte ein perfektes Gespür für das Starpotenzial anderer Menschen. So produzierte er in den Siebzigern zwei der ersten Filme von David Cronenberg. Und er entdeckte zwei Jungs, die bald zu den Superstars der Komödie aufsteigen sollten: die Schauspieler Dan Aykroyd und Bill Murray.

Das erste Treffen mit Murray sei allerdings eher nicht so gut verlaufen, erinnerte er sich später grinsend - Murray habe ihn fast erwürgt. "Ich habe den Fehler begangen, ihm einen Verbesserungsvorschlag für eine Rolle zu machen. Bill kam auf mich zu, zog den Schal um meinen Hals fest und sagte: ,Hey, schön, dass du da warst, bis bald.' Dann schleifte er mich zur Tür."

Zum Tod von Ivan Reitman: Ivan Reitman (rechts) mit seinem Sohn Jason Reitman bei der Premiere von "Ghostbusters: Legacy" im November 2021 in New York.

Ivan Reitman (rechts) mit seinem Sohn Jason Reitman bei der Premiere von "Ghostbusters: Legacy" im November 2021 in New York.

(Foto: Angela Weiss/AFP)

Aus dem Männergerangel wurde eine produktive Freundschaft, mit Murray, auch mit Aykroyd drehte Reitman immer wieder. Ihr gemeinsames Meisterstück wurde 1984 "Ghostbusters - Die Geisterjäger". Eine Komödie natürlich, aber auch ein Big-Budget-Film mit üppigen Spezialeffekten, mit dem Reitman eine neue Phase des Blockbuster-Kinos einleitete. "Es war fast unmöglich, diesen Film zu drehen", erinnerte er sich später, "besonders für die frühen Achtzigerjahre."

Reitman sah in jedem Menschen sein komisches Potenzial. Dass er aus Arnold Schwarzenegger, der damals nur als "Terminator" und "Conan" bekannt war, also als humorlose Kampfmaschine, einen Komiker machte - noch so eine Meisterleistung. "Kindergarten Cop", "Twins" und "Junior" gehören zu den wichtigsten Comedys der späten Achtziger- und frühen Neunzigerjahre. Besonders "Junior", 1994, war natürlich astreiner Slapstick. Arnold Schwarzenegger wird schwanger, das Drehbuch muss sich nach dieser Initialzündung von alleine geschrieben haben.

Reitman hatte natürlich wie alle großen Komödienregisseure ein gutes Gespür fürs Timing. Vor allem aber beherrschte er den schwierigsten Spagat des Filmemachens meisterlich: Jedes noch so winzige Detail eines Films unter Kontrolle zu haben - und seinen Schauspielern trotzdem das Gefühl zu vermitteln, vollkommen frei zu sein. Dieses Kunststück gelang ihm auch mit anderen Regisseuren, denn er hat in seiner Karriere auch viel produziert, unter anderem die Hits "Ein Hund namens Beethoven" und "Space Jam".

Auch der letzte Film seines Lebens war ein Produzentenjob. "Ghostbusters: Legacy" kam letztes Jahr ins Kino, und der Titel ist wörtlich gemeint. Bei der Fortsetzung seines größten Hits führte sein Sohn Jason Reitman Regie. Wie die Familie nun mitteilte, ist Ivan Reitman am Samstag in Montecito, Kalifornien, im Schlaf gestorben. Er wurde 75 Jahre alt.

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