Isabelle Huppert im Interview:"Man vergisst im Death Valley leicht, dass man in den USA ist"

"Valley of Love" ist Ihr zweiter Film mit Regisseur Guillome Nicloux. Zu Ihrer ersten Zusammenarbeit mit ihm kam es vor drei Jahren, als Sie in "Die Nonne" eine lesbische Kloster-Oberin im 18. Jahrhundert spielen. Die zwei Filme sind sehr unterschiedlich. Lag der Reiz für Sie in erster Linie darin, mit Nicloux zu arbeiten? Oder waren doch die Drehbücher ausschlaggebend?

Beides. Ich schätze ihn sehr. Aber auch die Drehbücher und die Rollen, die mir zugedacht waren, haben mich in beiden Fällen überzeugt. In "Die Nonne" war das ja nur eine Nebenrolle, die gleichwohl meine Lieblingsfigur des Filmes ist. Denn dass die Oberin ihre Neigungen und ihre sexuelle Orientierung zu leben versucht, war zu der damaligen Zeit eine unerhörte Extravaganz. In Denis Diderots Roman (das gleichnamige Buch von 1792, auf dem Nicloux' Film basiert; Anm. d. Red.) wird das als eine solche Verrücktheit dargestellt, dass es schon wieder lustig ist. Sie selber kann es gar nicht glauben, was ihr da widerfährt.

In "Valley of Love" findet sich die Isabelle, die sie spielen, zwar auch in einer verrückten Situation wieder, aber Extravaganz kann man ihr nicht zuschreiben. Wodurch hat der Film Ihr Interesse geweckt?

Mich haben an "Valley of Love" vor allem die Dialoge gereizt. Die vielen Gespräche, die ich mit Gérard Depardieu führen sollte, haben mich inspiriert, weil sie sehr einfach gehalten sind. Doch dadurch bekommen die Dinge zwischen den Zeilen mehr Raum. All die Emotionen und das Ungesagte, das da immer mitschwingt, kommt dadurch erst voll zur Geltung. Die besten Dialoge sind immer mit viel Hintergründigem beladen.

Die Dialoge regen tatsächlich die Phantasie des Zuschauers an. Denn einerseits sind die Figuren, die Sie und Gérard Depardieu darstellen, eindeutig fiktional. Andererseits werden immer wieder Andeutungen gemacht, dass Sie sich möglicherweise selber spielen. Haben Sie zwei zu den Dialogen des Drehbuchs beigetragen?

Nein, überhaupt nicht. Drehbuchautor war Guillaume Nicloux und wir haben kein Wort geändert. Die Verwendung unserer richtigen Namen war ein kleiner Trick Guillaumes, um dem Film auch an diesem Punkt eine geheimnisvolle Hintergründigkeit zu geben.

Wie hat es sich für Sie angefühlt, in einem französischen Film aufzutreten, der in einer Landschaft spielt, die für die USA so charakteristisch ist?

Komischerweise vergisst man im Death Valley leicht, dass man in den USA ist. Das liegt zum einen einfach daran, dass man nicht so vielen Leuten über den Weg läuft. Zum anderen ist die Natur des Death Valley so gewaltig, dass auch die Amerikaner von ihr überwältigt sind. Den Besuchern ist es vielmehr egal, woher sie kommen. Es bilden sich dort oft Solidargemeinschaften, weil alle dort mit der Hitze und der imposanten Landschaft konfrontiert sind. Es ist fast so, als ob man auf einem anderen Planeten gelandet ist.

© SZ.de/doer/dd
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